Mund-zu-Buch-Propaganda in der Hauptstadt (21. Oktober 2009)
Wenn es etwas gibt, was wirklich relevant für die Insel sein könnte, profitiert die Inselregierung -formell meistens „Cabildo“ genannt- auch von ihrer zentralen Lage im Zentrum von Santa Cruz de La Palma. Denn diese begünstigt die schnelle Weiterleitung von Informationen, die oft an den zahlreichen Cafétischen der umliegenden Bars ihren Ursprung haben und sich sekundenschnell –ganz ohne Hilfe der modernen Medien wie Facebook oder Twitter- in der Stadt verbreiten. Wenige Schritte nur braucht da der Beamte, um sich vom vormittäglichen Info-Plausch auf den Straßen und Plätzen in seine heimeligen Büros zu begeben, um die taufrischen Neuigkeiten in den vielen Etagen der charakteristischen Architektur des Machtzentrums an der Avenida Marítima der Hauptstadt breitzutreten und mitunter damit ungewollt für impulsive Bewegung auf den Gängen und in den Köpfen der Volksvertreter sorgt. Das kürzlich veröffentlichte Buch „Die kanarischen Inseln aus alten Quellen“ von Peter Borschberg ist hierfür ein gutes Beispiel. Unumstrittene Relevanz für die Insel und das gesamte kanarische Archipel wurde dem Buch schon in kürzester Zeit nicht nur vom Cabildo zugesprochen, denn es zeichnet die (Früh-) Geschichte der „glückseligen Inseln“ streng dokumentarisch und frei von Legendentum nach und räumt vielerorts mit Irrglauben und üblichen Denkschemata auf. Im dem Wust von bruchstückhaften Zeugnissen und Überlieferungen, die über die Geschichte der Inseln berichten, leistet der Autor akribische Detektivarbeit und trägt die Fakten in seinem von exzellentem Kartenwerk bereicherten Buch zusammen. Zahlreiche Missverständnisse, die sich oft sogar über Jahrhunderte halten konnten, werden hier ausgeräumt und dem Leser beispielsweise die wahren Zusammenhänge zwischen der Namensgebung „Canarias“ und dem König Iuba II von Mauretanien (50 v. Chr.-23 n.Chr.), der aus politischen Gründen stets ein düsteres Bild dem seinem Königreich vorgelagerten Archipel zeichnete, erklärt. In diesem Zuge verstrickt sich selbst Homer, Herodes, seine verwitwete Schwiegertochter und Kaiser Augustus in die frühzeitliche Geschichtsschreibung der Kanaren und lässt die Inselgruppe mal in einem ganz anderen Licht erscheinen. Dem „Hauptstadt-Korrespondenten“ gefiel u.a. die in dem Buch beschriebene Stelle eines surreal anmutenden Zusammentreffens von „Mumien der Kanarier“ und „europäischen Apotheken“, die –anders als bei den wirklichen Surrealisten – durchaus auf realer Ebene dokumentarisch seriös belegt ist und in interessantester Art und Weise die klaffenden Bildungslücken hinsichtlich der Kenntnisse über die wahre Identität der kanarischen Inseln zu schließen vermag.

Altes Kartenmaterial
Die Hintertüren von Santa Cruz (26.09.09)
Das mitunter enge Gassenviertel im historischen Stadtzentrum der Hauptstadt ist beschaulich und erfreut sich gerade bei Besuchern eine nicht zu leugnende Beliebtheit. Hier wird gebummelt, geschaut und fotografiert, was die Speicherkarte hergibt. Aber auch bei den Bewohnern der Hauptstadt erfreuen sich die verwinkelten Wege, über die man schnell mal eine Ecke abkürzen oder überhaupt erst zu seinem Ziel gelangt, großer Popularität. Denn gerade in Schulnähe haben sich diese versteckten Zugangswege bewährt und ermöglichen es den autofahrenden Eltern, ihr Vehikel vor dem alltäglichen Verkehrschaos an den Bildungseinrichtungen zu schützen, indem auch unkonventionelle „Kurzzeitparkplätze“ in Schulnähe angefahren werden können, um die lieben Kleinen zur Schule zu geleiten.
Auch ist die Kenntnis von diesen kleinen Wegen insbesondere bei Regentagen ein entscheidender Vorteil, da sich die Bevölkerung ab einer mittleren Luftfeuchte für jede Bewegung außer Haus intuitiv in die liebgewonnenen Vierrädler setzt und zu einem Geschiebe auf den Strassen -von kurz vor und kurz nach neun- beiträgt.
Dabei sind die Gassen -historisch gesehen- eher von einer lebenserhaltenden Bedeutung für die Hauptstadtbewohner gewesen, da bei Piratenübergriffen, den Freibeutern ein Eindringen in die Stadt erschwert werden sollte. Heutzutage sind es zum Teil gerade diese schmalen Durchgänge, die es den Anwohnern ermöglicht, von ihren Behausungen auf das Meer zu schauen. Allenfalls schlendern heute stadtplanfaltende Kreuzfahrttouristen über den vielerorts verlegten, historischen Kopfstein. In der Fußgängerzone hat sich die „Calle Trasera“, die parallel zur Calle Real verläuft, zu einem unverzichtbaren Durchgang all jener entwickelt, die schnell mal von A nach B kommen oder einfach nur unerkannt das Stadtzentrum durchqueren wollen. Zu gesprächig ist da nämlich die Calle Real, auf der viele „Tagesfreizeitler“ patrouillieren, um all die neuen Gerüchte in die Welt zu setzen, die dann für den Gesprächsstoff am Cafétisch sorgen.
Der „Hauptstadt-Korrespondent“ schätzt diese Hintertüren der Hauptstadt und empfiehlt einen Bummel durch dieselben. Denn dort trifft sich die Vergangenheit mit der Gegenwart und ein Schutz vor Sonne und jeder Art von Niederschlägen bieten sie allemal.

Alte Kopfsteinstrasse im Stadtzentrum von Santa Cruz de La Palma
Der veredelte Flohmarkt in der Hauptstadt (19. Juni 2009)
Das Rathaus von Santa Cruz lässt es sich was kosten, den „Mercadillo“ zu verschönern.
Endlich ist es bis in die obersten Rathausetagen gedrungen: Der Flohmarkt in der Hauptstadt, der stets am 1. Sonntag eines jeden Monats Scharen in die noch schläfrige Stadt und an den schon betriebsamen Hafen führt, ist ein Renner. Kontinuierlich etablierte sich der Budenzauber auf dem Parkplatz vor dem Hafen in die Herzen der Besucher und in die Terminkalender der Standbetreiber. Nun möchte selbst das kapitaline Rathaus an dem Spass teilhaben und spendiert daher dieser freien Veranstaltung kurzum 55 neue mobile Zeltschirme und die doppelte Menge an neuen Tischen, die während des nächsten bunten Treibens, am 5. Juli, zum Einsatz kommen sollen.
Dieses vergegenständlichte „Make-up“ des hauptstädtischen Flohmarktes bezahlt sich nicht gerade aus der Kaffeekasse: rund 85.000 Euro gibt das Gemeindehaus hierfür aus der öffentlichen Hand, wobei allerdings ca. die Hälfte der Summe aus einem Pott der für Handel und Gewerbe zuständigen Stelle der Kanarenregierung auf Gran Canaria stammt und auch die hiesige Inselregierung sich mit etwa 30% an den Gesamtkosten beteiligt. Dem Rathaus von Santa Cruz de La Palma bleiben für diesen guten Zweck doch immerhin noch gut 20% der Investitionssumme oder 17.300 Euro aufzuwenden.
Der versierte Treuhänder hierfür ist der umtriebige Stadtrat für Städtebauentwicklung, Personal- und Marktwesen Carlos Matos, der auf sein Wirken angesprochen, angab, dass „diese Neuerung dazu beitragen wird, die Form eines Flohmarktes zu veredeln. dessen Besucherzahl von Monat zu Monat steigt und bedeutende Chancen für den Geschäftsbereich mit sich bringt.“ Nicht unerwähnt bleibt im gleichen Atemzug, dass diese Neuerungen einhergehen mit anderen in diesem Bereich vom Rathaus ausgeführten Erneuerungen in der Licht- und Wasserinstallation.
„Bei der Bereitstellung dieses neuen Mobiliars beabsichtigen wir neben der Förderung des Markt-Renommees bei den Besuchern und Kreuzfahrttouristen, die nicht selten sonntags den Hafenbereich bevölkern, auch die Optimierung der Voraussetzungen für die etwa 100 Standbetreiber und deren Verkaufsstände. Auf jeden Fall“, deutete Matos weiterhin an, „erreichen wir mit dieser Massnahme eine Belebung der Stadtkonjunktur an Sonntagen“. Nicht ausschliessen möchte man darüber hinaus, dass bei einem entsprechenden Interesse der Händler und einer konfliktfreien Kompatibilität zu anderen städtischen Veranstaltungen, die „monatliche Sonntagsfrequenz“ des Marktes durchaus noch erhöht werden könne. Auf der anderen Seite kónne dieses Mobiliar sogar auch auf anderen Veranstaltungen nützlich sein, liess es den ideenreichen Stadtverordneten hinsichtlich strapazierter Kassen an krisenfreundliche Synergieeffekte denken.
Frei nach dem holistischen Sinnspruch „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ wirbt an dieser Stelle der „Hauptstadt-Korrespondent“ für einen sonntäglichen Frühstücksbummel durch diesen behaglichen „low-budget-Park“ für kultivierte Schnäppchenjäger. Vielleicht wächst dann ja vor Ort die Erkenntnis, warum nun je ein Zeltschirm mit 2 Tischen ruhig auch schon mal 1.500 Euro kosten darf.
Der Strand, von dem der Bürgermeister nichts weiß (5. Juni 2009)
Wie Ernst ist es mit dem Mammutprojekt „Stadtstrand“ wirklich?
Die Hauptstadt unserer schönen Insel, von der hier wieder die Rede sein soll, liegt direkt am Meer. Mit diesem, nennen wir es Privileg, ausgestattet, stellt man sich neben einem Hafen und dessen infrastrukturalen Einrichtungen auch einen Strand vor, mit einer Promenade und viel Platz zum Flanieren, Eisessen und Inlineskaten. So soll auch unsere Kapitaline eines schönen Tages aussehen. Denn dort, wo unserer Vorstellung nach, der nach Erfrischung suchende Besucher mit seinem Handtuch über der Schulter seinen Blick über einen feinen Sandstrand bis zur sanft anlandenden Brandung schweifen lässt, stehen bis heute Blechkarossen, eng an eng. Einem „Gerücht“ zur Folge, dass genau hier schon Planungen existieren sollen, die unserem handtuchtragenden Strandläufer eben dieses Szenario ermöglichen würde, trägt man die Frage dem vor, der es wissen muss: dem Bürgermeister, denn der weiß alles, was in seiner Stadt passiert und was nicht. Oder zumindest fast alles. Denn auf die Frage, ob denn hier –und damit ist der Abschnitt vom Parkplatz bis ein ganzes Stück Richtung Ortsausgang gemeint- mal die Chance auf einen abendlichen Strandspaziergang bestünde, antwortet der Gemeindechef sinngemäß: „Ich weiß von nichts“. Nun ist diese Aussage zunächst wenig informativ, sie gibt höchstens Anlass zu Spekulationen, zu denen der „Hauptstadt-Korrespondent“ weder Zeit noch Lust hat. Vielmehr aussagekräftigist doch da das Statement der Zentralregierung, die durch ihre Umweltbehörde das „Gerücht“ verbreiten ließ. Richtig investiert solle werden, und 30 Millionen dürfte es kosten, wenn die kalkulierte Bauzeit ausnahmsweise mal ernst genommen werden würde. Es hieß sogar, dass schon dieses Jahr damit angefangen werden solle. Ernüchternd dagegen die weiteren Ausführungen des Bürgermeisters Juan Felipe: „Das Einzige, was ich vom Strand weiß, ist, dass die Umweltbehörde eins ums andere Mal Analysen in Auftrag gab, sonst aber nichts“. Außer vielleicht, dass Felipe noch nach der vorletzten Gemeinderatssitzung mit dem Sprecher der Sozialisten und Senator Anselmo Pestana etwas länger blieb, um zu verabreden, gemeinsam nach Madrid zu fahren. Nicht um einzukaufen, sondern um mit der obersten Etage der Küstenbehörde über jenes „Gerücht“ zu sprechen. Dabei blieb es allerdings, was dem Herr des Rathauses zu der Aussage hinreißen ließ, dass „dieses Treffen noch nicht zustande gekommen ist, weswegen einzig und allein die Umweltbehörde über die Belange des Strandes Bescheid weiß“. Von ihm aus sei die baldige Ausführung der Bauarbeiten sogar mit Priorität bedacht. Worauf aber könnte der Bürgervorsteher denn warten, bis er sich alle nötigen Informationen zu diesem „Gerücht“ einholte? Gern wird der „Hauptstadt-Korrespondent“ ihm dieselbe Frage noch einmal stellen –zu einem späteren Zeitpunkt natürlich.
Die zeitlose Ruhe auf dem Cafégestühl (23. Mai 2009)
Während sich dieser Tage in der Inselhauptstadt die kapitalinen Gemüter auf einen heißen Sommer einstellen, suchen die Einwohner von Santa Cruz auf dem beschatteten Terrassengestühl nicht nur Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung, sondern auch vor allzu großer Hektik, die sich zu Beginn des Sommers –denn in diesem Zeitraum befindet sich die City, seitdem die heitere Bewölkung der letzten Monate sich der vielerorts gepriesenen kanarischen Sonne gefügt hat- stets in den engen Gassen und vor allem in der „Königsmeile“, der Calle Real, wie sie liebevoll von allen genannt wird, breit macht. Warum, das weiß keiner definitiv zu beantworten, aber ein jeder spürt eine gewisse latente Unruhe, die durch die Strassen und über die beschaulichen Plätze fegt. Allenfalls erfährt man auf Nachfrage im traditionellen „Parlique“, dem kurzen und einem zufälligen Zusammentreffen entnommenen „Gesprächsquickie“, dass die Ursache dieses leicht beschleunigten Alltagstrotts im Privaten zu suchen ist und keiner allgemeingültigen Gesetzmäßigkeit zu unterliegen scheint. So sieht sich beispielsweise so mancher durch die bevorstehenden monatelangen Schulferien und den damit zusammenhängenden Vorbereitungen in seiner Ruhe gestört oder ist gar in die -dieser Tage stattfindenden- Feierlichkeiten hinsichtlich des „Día de Canarias“ derart eingebunden, dass an Nachmittagen selbst die sonst heilige Siesta ausfallen muss. Es ist –so vermutet der „Hauptstadtkorrespondent“ in den blauen frühsommerlichen Hauptstadthimmel nach „investigativer“ Recherche- ein temporärer Zeitschwund zu beobachten, dessen Motive vielseitig und –schichtig sind. Betrachtet man spaßeshalber diese Auslöser der so gar nicht typischen beschleunigten Lebensart in der Kapitaline vor den sozialökonomischen und politischen Hintergründen der Hauptstadt, beschleicht einem das Gefühl, das hier –im Kleinen- eine unmissverständliche Wechselwirkung zwischen der öffentlichen und der persönlichen Verfassung bestehen könnte. Eine nicht ganz so fiktive Hypothese, die sich der Überprüfung des „Hauptstadtkorrespondenten“ –aus Zeitmangel- zu entziehen vermag.
12 Jahre 11 Monate 7 Tage
Der Inselpräsident gibt schweren Herzens sein Amt frei.
Was in letzter Zeit Anlass für Spekulationen in der Hauptstadt gab, wird in diesen Tagen in den Cafés und Patios der Kapitaline heftig diskutiert: nach langer Amtszeit entschied sich der „Inselchef“, José Luis Perestelo (Coalición Canaria), seinen Stuhl freizugeben und gab sein Ausscheiden aus der Inselverwaltung bekannt. „Komplex und schwierig“ sei die Entscheidung gewesen, aber er habe stets ein persönliches Credo vor Augen gehabt, das einem Politiker im öffentlichen Diskurs vordergründig gut zu Gesicht steht: die allgemeinen Interessen wären ihm den persönlichen immer ein Stück weit voraus gegangen. Es sei nämlich jetzt der Moment gekommen, dass „ein junges Team mit Elan die Arbeit weiterführt, die wir vor fast 13 Jahren begonnen haben“, so der Vorsitzende bei der Abschiedssitzung. Er gehe ruhigen Gewissens, jedoch sieht so mancher besorgt auf sein hinterlassenes Erbe: eine Höchstmarke an Arbeitslosigkeit und Verarmung, ein vernachlässigter Flächennutzungsplan, eine ungelöste Müllentsorgung und fehlende Perspektiven für den akademischen Nachwuchs sind die Argumente, an denen sich so manches Hauptstadtgespräch auf der Calle Real entzündet. Und nicht nur dort, denn der Vorsitzende der oppositionellen PSC, Manuel Marcos Pérez, spricht sogar von einer „groben Unvernunft“, der Insel gerade jetzt den Rücken zu kehren. Denn das bringt die neue Aufgabe des ehemaligen Volksschullehrers mit sich: Er wird –wie schon seit geraumer Zeit als Teilzeitjob- als Abgeordneter im Madrider Kongress Parteiinteressen vertreten gehen.
Ganz nebenbei sorgt Don José mit dem anstehenden Amtswechsel für eine Novität auf der Insel: Zum ersten Mal wird eine „Doña“ die Zukunft der Insel maßgeblich bestimmen. Die Anwältin und jetzige Vizepräsidentin Guadalupe González Taño wird zeitweilig die großzügigen Räumlichkeiten des obersten Volksvertreters auf der Insel beziehen. Der „Hauptstadt-Korrespondent“ sieht den Wechsel mit gemischten Gefühlen: zulange und damit schon fast ein „Gewohnheitsrecht“ geworden war der vormittägliche Cortado in der La-Palma-Bar, bei dem es sich so schön zwischen den Zeilen des Präsidentengeplauders mit seinem Gefolge hören lies. Wo mag nur Doña Guadalupe ihren Café nehmen?

Sitz der Inselverwaltung in Santa Cruz de La Palma
Submarine Wrackwelten gegen Touristenflaute
Ein Unterwasserpark-Projekt erhält Unterstützung aus der Landesregierung.
Manchmal kommen die Ideen ja von ganz allein, ohne geistiges Zutun sozusagen. So mag es eines schönen Hauptstadtmorgens im Rathaus geschehen sein. Auslöser dieses Gedankenspiels war wohl dann das Versenken eines Schiffswracks, vor den marinen Toren der Hauptstadt. Genauer im Bezirk „Maldonado“, am nördlichen Stadtausgang, wo die Eigner ihr in die Jahre gekommenes Wrack versenkten, für das ihnen keine Verwendung mehr eingefallen war. Diese kam dann prompt direkt aus dem Gemeindehaus. Denn, so sagten sich vermutlich die Volksvertreter, wenn schon ein ruinöser Kahn über Wasser keinen typgerechten Nutzen mehr hat, soll ihm dieser dann zumindest unter der Wasseroberfläche angedeihen.
So sei es denn, dass -den Gemeindevertretern zum Wunsch- das submarine Trümmerschiff offenbar einer konkreten Zukunft entgegendümpelt. Spätestens aber seit dem offiziellen Besuch der Vizerätin für Tourismus auf dem kanarischen Archipel, Carmen Hernández Bento, ist dieses Projekt zu einem politischen Vorzeigeobjekt geworden. Und zwar besichtigte die Rätin unlängst nicht nur die Örtlichkeiten des potentiellen „Parque Subacuático“, sondern liess sich auch in die Details einweihen, die diesen Park zu einem umweltverträglichen Ort der aktiven Freizeitgestaltung werden lassen soll. Das Wrack werde nämlich ein künstliches Riff abgeben, in dem sich beispielsweise dem (touristischen) Freizeittaucher eine vielfältige Unterwasserwelt bieten soll.
Der Stadtverordnete für Sozialwesen und Sport, Juan José Cabrera Guelmes, wies in diesem Zusammenhang auf die exzellenten Voraussetzungen hin, die dieser Stadtbereich langfristig dem Sport- oder Tourismusbereich bieten würde. Im Bebauungsplan der Kapitaline sei dort sogar ein Hotel bzw. Kongresszentrum und ein Sporthafen vorgesehen. Das gefiel der Regierungsvertreterin so gut, dass sie breite finanzielle Mittel in Aussicht stellte, diesen „so idealen Bereich der Hauptstadt Santa Cruz einer nautischen Bestimmung zuzuführen, die auf einen Tourismus dieser Art ausgerichtet ist“ entsprechend herzurichten. Schon gab der hiesige Stadtrat umfangreiche Analysen in Auftrag, die Aufschluss über die Machbarkeit eines solchen Projekts geben sollen.
Der „Hauptstadt-Korrespondent“ rät dem Rat hierbei auch eine Namensänderung des Stadtbereichs zu erwägen, denn, aller Aberglauben zum Trotz, heisst es ja nicht umsonst „Nomen est Omen“ – verwiesen wird in unserem Fall auf den oben genannten Namen des städtischen Bezirks „Maldonado“ („schlecht gestiftet“). In diesem Sinne wünscht der „Hauptstadt-Korrespondent“ dem Projekt für Hobbytaucher traditionell „Tiefenrausch und Krakenbiss“.

Santa Cruz de La Palma ,Maldonado
Über den Dächern von Santa Cruz – die Plaza de Santo Domingo
Das Rathaus spendiert der Umgebung des schönen Platzes eine Renovierung.
Wer wirklich mal altkanarisches Altstadtflair erleben will, begibt sich in der Hauptstadt auf die oberhalb des kulturhistorischen Zentrums gelegene Plaza. Von hier lässt es sich vornehmlich ausgucken und ausruhen, denn wer von der „Königsmeile“ Calle O’Daly die steilen Treppenstufen zu diesem Stadtbereich emporsteigt, dem dürstet es nach visueller Belohnung und atmosphärischer Regeneration. Beides ist an diesem Ort, nahe der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Kirche Santo Domingo, die zum einstigen Kloster San Miguel de las Victorias gehörte, im Überfluss zu finden.
Nun erwägt das kapitaline Gemeindehaus eine umfassende Verschönerung der Zufahrtswege und –Straßen, denn diese erwecken teilweise den Anschein, noch von den Ureinwohnern und deren Widersachern betreten worden zu sein und sind mitunter in einem bedauernswerten Zustand. Rund eine Million Euro will der Bürgermeister dafür bereitstellen und damit der zweifellosen Attraktivität eines der wichtigsten kulturhistorischen Erbe der Stadt genüge tun. Das mancherorts noch existierende Kopfsteinpflaster soll neu verlegt und ganze Straßenabschnitte, wie die am Platz vorbeiführende Strasse Fernández Ferraz, an der sich auch die Theater- und Tanzschule befindet, mit neuem Belag ausgestattet werden. „Wir wollen eine vollständige Aufbereitung dieses Stadtbereichs, der sich zu einem der wichtigsten kulturellen Zentren von Santa Cruz mausert und dem Wunsch der Bürger und den Besuchern entsprechen, diesen Bereich adäquat zu gestalten“, heißt es denn auch aus der Gemeindestube. Diese Arbeiten sind Teil des Stadtprojektes „Programm zur Verschönerung der Hauptstadt“, das die Stadt „angenehmer und attraktiver“ machen soll, so die zuständige Inselrätin Alicia Garcia. Neben Pflege und Erhalt des städtischen Mobiliars, der Leuchtmittel, der Schlosserei- und Schreinerarbeiten soll dabei vor allem an die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern gedacht werden.
Der „Hauptstadt-Korrespondent“ freut sich dann auf eine Zeit nach dem sozialverträglichen Frühjahrsputz der Kapitaline und empfiehlt schon mal ein nachsichtiges Wohlwollen hinsichtlich der zeitlichen Dimensionen, die solch eine Frühlingsprojekt schon mal belegen kann. Die Aussicht auf eine Aussicht ungestörter und renovierter Natur vom Platze aus auf die Dächer aber lässt dann doch -nicht nur frühjahrsbedingte- Euphorie aufkommen.

Die Plaza de Santo Domingo
Auf der Suche nach dem verlorenen Piratenverlies
Die Kapitale sammelt Daten über das einstige Kastell San Miguel.
Über der Inselhauptstadt schwebt gegenwärtig der Hauch von Seeräubergeschichte und Freibeuterlegende – so präsent scheint das Thema durch die vereinte Suche nach der verschwundenen Festungsanlage „San Miguel“.
Die Spur führt die Suchenden, in diesem Fall den Bürgermeister Juan Ramón Felipe höchst selbst und den Kasernenchef und Experte in Militärgeschichte Oberst José Antonio Ortigueira, in die Zeiten berühmter Seeräuber des ausgehenden 16. Jahrhunderts wie beispielsweise François „Holzbein“ le Clerc, der die Stadt gern ausraubte und brandschatzte. In Zuge dessen wurde der Bau der sagenumwobenen Verteidigungsanlage beschlossen und daraufhin infolge der Wiederherstellung urbanen Lebens fertiggestellt. Ihr ist es immerhin zu verdanken, dass der gefürchtete Übergriff des nicht minder legendären englischen Kapitäns Sir Francis Drake, der mit 30 Schiffen voll rumgeschwängerter Augenklappenträger anreiste, erfolgreich abgewehrt werden konnte. Ab diesem Datum machte jeder Piratenkapitän, dem sein Schiff lieb war, einen respektvollen Bogen um die Insel.
Jedoch bekam die Festung dann ein paar Jahrhunderte später die volle Breitseite der geschichtlichen Ironie zu spüren, der sie rein gar nichts entgegenzusetzen hatte. Denn in dem Maße, wie die Bastion den Angriffen der kanonenbestückten totenkopfbeflaggten Schiffe standhielt, zerbröselte sie geradezu unter dem politischen Druck, der Anfang des 20. Jahrhunderts auf sie lastete. Sie musste nämlich der -friedlichen- südlichen Stadterweiterung weichen.
Am Eingang des heutigen Hafens gelegen, fahndet man gegenwärtig im Gemeindehaus und vor Ort nach Resten der Anlage, die Aufschluss über die Freilegung ihrer baulichen Überreste oder gar einen möglichen Wiederaufbau geben könnten. Letzteres hätte naturgemäß eine umfangreiche städtebauliche Neugestaltung zur Folge, deren Sinn und Zweck erst wohl noch schön geredet werden müsste. Vermutet wird der genauere Standort des einstigen Bollwerks übrigens an der heutigen „Plaza de la Constitución“ am Fuße des historischen Zentrums der Stadt, nahe des „Glashauses“ für Touristeninformation der hiesigen Inselbehörde. Diese hätte wiederum kurze Wege zu dem, dem Stadtoberhaupt nach, „historischen Relikt, das eins der kulturhistorischen Hauptexponate von Santa Cruz hinsichtlich seiner touristischen Attraktivität“ darstellen würde.
Die ungestellte Frage, ob denn ein eventueller Wiederaufbau diese Bastion dann auch wieder ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt werden solle, dem des Schutzes vor seewärts einfallenden Eindringlingen, konnte ergo nicht beantwortet werden.
Der „Hauptstadt-Korrespondent“ vermutet jedoch, dass zuerst zu klären wäre, ob und inwieweit denn die „kreuzfahrenden Gäste“ all der festmachenden Schiffe unter diese Definition fallen würden.

Plaza de la Constitución
„Footing am Rollfeld“ ist keine neue Sportdisziplin
Der Flughafen gibt sein neues Parkdeck frei
Das sich das aktuelle Hauptstadtthema um den Flughafen dreht, bedeutet nicht etwa, dass sich in Santa Cruz nichts nennenswertes zugetragen hätte. Aber die fast historische Eröffnung neuer Parkräume am Flughafen verlangt geradezu nach einem Besuch dieser Anlagen und dann doch entsprechender Erwähnung. Man muss wissen, das Parkplätze auf der Insel Mangelware sind und La Palma eine beachtliche Zahl an Fahrzeugen pro Familieneinheit aufweist. Diese wollen oder müssen, wie hier am Flughafen, abgeparkt werden. Durch den hundertmillionenschweren Ausbau der Anlage, der in den kommenden Jahren eine Abfertigung von mehr als 2 Millionen Passagiere möglich machen soll, sind 45.000 m2 für Stellplätze auf zwei Ebenen bebaut worden. Dafür wurden 15 Millionen Euro aufgewendet und Raum für 1276 Autos geschaffen; knapp 12.000 Euro pro Vehikel. Nun ist in einer ersten Phase die Ebene S-2 den Besuchern übergeben worden, mit zunächst 675 Stellplätzen plus 10 für Behinderte, die sich nahe der Aufzüge befinden. In Anspruch genommen werden können diese Stellplätze täglich von 6.30 bis 22.30 Uhr. Die Parkgebühr hält sich dabei in Grenzen: 0,01 € die Minute und in den ersten 30 Minuten gar kostenlos. Eine Tagesmiete schlägt mit 7,20 Euro zu Buche – im Vergleich kostengünstig. Die Zufahrt ist für aus Santa Cruz kommende Autofahrer gleich am ersten Kreisverkehr. Nach dem Ziehen des Tickets und des elektronischen Ablesens des Kennzeichens, fährt der Besucher/Reisende, der ausreichenden Beschilderung folgend, möglichst ans Ende des dieser Tage noch übersichtlich beparkten Decks und kann nun den nahen Lift nehmen, um die zwei Stockwerke hoch zu ebener Erde zu bewältigen. Streikt dieser oder ist er durch Andrang belegt, steht dem Urlauber eine Rampe zur Verfügung – allerdings empfehlenswerter Weise nur für solche „guten Fußes“, denn der Weg auf der Rampe ist doch recht lang und es muss anschließend noch ein erhebliches Stück zum Terminal zurückgelegt werden. Diese Wegstrecke könnte so manchen Abreisenden eine unnötige schlechte letzte Erinnerung an die Insel mit auf den Weg geben. Für den ankommenden Besucher jedoch, der voller Elan schon am Flughafen mit seiner Inselerkundung beginnen möchte, ist der Weg durch die Baustelle bis hin zum „Meeting-Point“ der hiesigen Autoverleiher ja eventuell sogar ein erster willkommener Marsch nach stundenlangem Sitzen im Kabinengestühl. Letztere nämlich sind von der Betreiberfirma des Flughafens, AENA, höflich aber bestimmt aufgefordert worden, den Ankunftsbereich im Terminal zu räumen und ihre Kunden auf dem Parkdeck zu empfangen. Reichlich Unmut provoziert diese Handhabe, denn es ermöglicht lediglich den großen überregionalen Mietwagenfirmen, die Büros im Terminal anzumieten; die kleinen Inselbetriebe haben hier sprichwörtlich das Nachsehen. Auf dem Parkdeck dann, macht sich der ein oder andere Angestellte schon mal entsprechend Luft: sie fahren kreuz und quer durchs Gebäude und holen ihre Kunden dann per Auto vom Lift ab, um sie zu ihrem Mietwagen zu fahren. Eine schnelle Abwicklung ist dann erwünscht; vorher wird dem Urlauber aber noch geraten, ab Abgabe und Parken des Fahrzeugs das Ticket unbedingt gut leserlich zu platzieren. Es würden sonst Kosten in Höhe von mindestens einer Tagesmiete verursacht werden, die der Mieter zu tragen hätte.
Hier ist ein Stück Ursprünglichkeit der Insel verloren gegangen, und der „Hauptstadt-Korrespondent“ erinnert sich dabei gern an die Tage, als man noch zum Zeitungskaufen und vor allem –lesen zum Flughafen fuhr – der Ruhe wegen.

Im Hafen tut sich was
Santa Cruz de La Palma wird immer öfter von Seeseite besucht.
Hafenstädte haben etwas gemeinsam. Sie liegen oft am Meer und noch öfter können sie von Seeschiffen angelaufen werden. Dies geschieht und klappt in der Hafenstadt Santa Cruz de La Palma genauso gut, wie in Addis Abeba oder Zeebrugge. Jedoch kommt dem Hauptstadthafen noch eine weitere Komponente zugute, die ihn für Kapitäne und Passagiere gleichermaßen besonders attraktiv macht: seine geografische und nun auch klimatische Lage. Denn erstere hat ihn schon in der Geschichte zu einem Hafen in führender Position gemacht. Zu Zeiten des Amerikahandels im 17. Jhd. war Santa Cruz de La Palma immerhin der drittgrößte Hafen des spanischen Weltreiches. Dieser Zeitabschnitt ist jedoch bekanntlich vorbei, ebenso der von hier ausgehende Handel mit Übersee. Heutzutage gewinnt die Anlegestelle eben wegen seines Klimas und hervorragender Stadtanbindung sowie in ganz anderer Kategorie wieder an Gewichtung: in der Kreuzschifffahrt. Denn Jahr für Jahr laufen mehr solcher Ozeanriesen unseren Hafen an. Nun hat sich für das laufende Jahr eine neue Gesellschaft dazu entschlossen, mit der „Costa Marina“ der kapitalinen Hafenstadt einen Besuch abzustatten. Teilen wird sie sich den Steg mit der „Aida Luna“ (16. September) müssen, der „Columbia“ (8. November) oder der „Queen Victoria“ (18. Oktober), die ebenfalls der Hauptstadt ihr Kommen zugesagt haben. Damit wird die Zahl der La Palma anlaufenden Kreuzfahrer erneut die der vorangegangenen Jahre übertreffen. Während 2007 knapp 141.000 Schiffsreisende über die Hafenanlage spazierten, waren es im letzten Jahr schon 2.000 zusätzlich und werden in diesem Jahr –einer gutgelaunten Prognose der Hafenbehörde zufolge- einen neuen Superlativ ansteuern.
Ohne Zweifel ist hier eine touristische Tendenz zu erkennen, die gegenüber der sonst eher schwierigen Situation hinsichtlich der „anderen Hafenanlagen“, die des Flughafens, mehr als ein „Trostpflaster“ sein kann. Denn dort sind die Passagierzahlen aus den üblichen Herkunftsländern –entgegen einer Jahre zurückliegenden Vorhersage- rückläufig. Schon wurde von den jeweiligen Hafenbehörden auf Teneriffa und Gran Canaria eine Studie in Auftrag gegeben, die Aufschluss über Möglichkeiten einer Verbesserung des Service und damit auch der Attraktivität der anzulaufenden Hafenstädte für die maritimen Besucher bedeute.
In der Schifffahrt sei man auf „Zack“, so wohl die Meinung der zuständigen Hafenautoritäten -trotz der im Vergleich eher behäbigen Art des Reisens. Der „Hauptstadt-Korrespondent“ schließt sich der Frage an, ob denn dann auch –gerade in Krisenzeiten- eine billige Charterverbindung zu deutschen Hafenstädten wie Hamburg oder gar Emden ohne Zwischenstopp in Zukunft kein Problem mehr darstellen wird.
Der Hauptstadt weißes Kleid
El Día de Los Indianos – Grosse Fiesta und keine Siesta
Einen Grund zum Feiern braucht der Hauptstädter eigentlich nicht, denn Anlässe gibt es hier mehr als Pflastersteine auf der historischen Meile O’Daly –scherzt gerne der Bewohner von Santa Cruz de La Palma. Allen Krisen zum Trotz rüstet er sich daher auch dieser Tage wieder mit der nötigen Grundausstattung aus -um im Zuge des „Carnavals“- das große Fest des Jahres zu begehen, den „Día de Los Indianos“ am Rosenmontag, der dieses Jahr auf den 23. Februar fällt. Und dazu zählt der weiße Anzug mit Hut genauso wie die Talkum-Dose. Schon Tage vorher und auch noch Tage nach der 24-Stunden-Fiesta ist dieser Gedenktag das Gesprächsthema Nummer 1 auf dem Gestühl der Cafés oder den Parkbänken. Es wird an diesem Tag nämlich den heimkehrenden Inselbewohnern gedacht, die um 1900 der Not wegen auszogen, um in der Karibik und auf Cuba ihr Glück zu suchen und teilweise auch zu finden. Die Landung dieser nunmehr feinen Leute mit ihren Kindern auf der Insel soll an diesem Tag karikiert und parodiert werden und findet jedes Jahr Tausende von Anhängern, die diese Tradition mit Leben erfüllen und die Hauptstadt in ein Menschenmeer verwandeln. Am späten Vormittag treffen sich die „Heimkehrer“ am Rathaus zum Umtrunk und auf der Plaza zum Tanz zu kubanischen Rhythmen. Dabei ist Stil die Etikette. Anschließend geht es beispielsweise in möglichst großer Runde zu einem traditionellen Mittagessen, das gern üppig und feuchtfröhlich ausfallen darf. Der große Umzug dann, beginnt am „Club Náutico“ an der bezeichnender Weise benannten „Avenida de Los Indianos“ und bewegt sich durch das kulturhistorische Zentrum hindurch bis zum „Plaza de Alameda“. Hier findet auch die Austeilung der zahllosen Puderdosen statt, um der Stadt ihr weißes Kostüm und allen anderen das Puderfein zu verabreichen. Das geht natürlich alles nur im Schneckentempo, denn zwischendurch ist man immer wieder damit beschäftigt, sich Nachschub zu besorgen, um auch den letzten Gleichgesinnten in eine weiße Wolke zu hüllen. Wer gut organisiert ist, hat zudem noch einen kleinen Lederkoffer dabei, der die klassischen Getränke bereithält. Die anderen müssen sich an die Theken der Kioske drängeln, um ihren „Cuba Libre“ oder „Mojito“ zu bekommen. Mitunter wird man dann auch gleich zu einem eingeladen. Am Plaza angekommen, ist es meist schon dunkel und die Fiesta in vollem Gange –bis weit in den nächsten Morgen hinein. Der „Hauptstadt-Korrespondent“ empfiehlt dieser Tage: Wer ausschweifende Feste mag, der schickt sich – wer eher die urbane Stille der Hauptstadt-Siesta sucht, der übe sich in vornehmer Geduld.
Der Zauber altehrwürdiger Architektur
Die Wiederbelebung der Finca „La Quinta Verde“Auf der „Isla Bonita“ gibt es mehr Mythen und Legenden als anderswo und selbstverständlich findet man diese auch in der Inselhauptstadt Santa Cruz. Dieser Tage rückt ein ganz besonderer mythischer Ort der Stadt ins Interesse der Öffentlichkeit, die Finca „La Quinta Verde“ im oberen Abschnitt an der Avenida El Puente. Es ranken sich viele Gerüchte um dieses Gebäude und eines hält sich bei den Hauptstädtern außergewöhnlich vital, das es dort „spuken“ würde. Jedenfalls entschieden sich das Rathaus und die Inselregierung nun dem ein Ende zu bereiten und planen eine Wiederbelebung dieser Immobilie, die nicht ganz zu Unrecht als kulturhistorische Sehenswürdigkeit „par excellence“ gehandelt wird. Das Anwesen zählt zu den 146 Gebäuden, die die wichtigsten architektonischen Beispiele kanarischer Baukunst im ländlichen Raum abgeben und belegt darüber hinaus in den Wertungen für die historische, kulturelle und literarische Bedeutung des Archipels vordere Plätze. Seinerzeit von der Aristokratie im 16. Jhd. zum Zwecke der Erholung und Inspiration erbaut, besteht es aus zwei durch ein Patio voneinander getrennten Flügeln, die, reichhaltig verziert, heute Zeuge der Bedürfnisse ihrer Bewohner und deren feierlichen Anlässe ist. Nach jahrelangem Schönheitsschlaf soll es gegenwärtig zu neuem Leben erweckt werden und den Inselbewohnern und –gästen jetzt eine informative und erholsame Stätte sein, die durch ihre unmittelbare Nähe zum Stadtzentrum auch dem urbanen Flaneur ein attraktiver Bereich für eine Verschnaufpause sein kann. In den Gebäuden soll das Bedürfnis nach Information zu Umweltfragen bedient werden und außerdem Raum für Ausstellungen und Fortbildung sein. Das 9000 m2 große Grundstück wiederum bietet Platz für einen Palmenhain, verschiedene Gemüsebeete und Spazierwege, die dem Besucher den einzigartigen Charme dieser Lokalität erleben lassen sollen. Der Inselpräsident, José Luis Perestelo, spricht in diesem Zusammenhang gern von „einem Themenpark mit informativen Schautafeln verknüpft mit moderner Technologie, um den Besucher im sensiblen Umgang mit seiner Umwelt zu bilden“. Dem „Hauptstadt-Korrespondenten“ liegen unbestätigte Gerüchte vor, nach denen „das politische Haupt“ der Insel eine rasche Eröffnung im Auge haben soll, da sich zum Einen die Zeit nicht aufhalten und sich die Mega-Festivität „La Bajada de la Virgen 2010“ nur schlechterdings verschieben lässt.
Vielleicht wird ja mit diesem Projekt ein Traum seines größten Protegés wahr, der Multikünstler Luis Morera, der sich stets für den Erhalt dieser Finca einsetzte und den Ort über die Inselufer hinaus mit seiner Musikcombo „Taburiente“ und dem Lied „A la quinta verde“ populär werden ließ.

Gegen die Zeit gebaut
Der Mehrzweck-Pavillon der Hauptstadt soll nach dreizehn Jahren nun doch fertig werden. Wieder einmal kommt ein La-Palma-Superlativ direkt aus der Hauptstadt. Jedoch mit einem negativen Vorzeichen, wenn man Quantitäten mit Zeiträume vergleichen mag. Diese beiden Variablen lassen sich dieser Tage mit ganz konkreten Daten füllen: Der Bau des Mehrzweck-Pavillons auf der einen und 13 Jahre Bauzeit auf der anderen Seite, lassen Rückschlüsse auf die Baugeschwindigkeit hinsichtlich dieser notwendigen Immobilie für die Hauptstadt zu. Da müssen schon die illustren Feierlichkeiten zur „la Bajada de la Virgen 2010“ her, um das Bautempo zu steigern. Denn man wolle der attraktiven Veranstaltung „Tanz der Zwerge“ endlich einen angemessenen Rahmen geben, so heißt es im Rathaus. Nach bisher 13 Jahren Bauzeit und 6 Millionen Euro Baugeld werde es nun Ernst mit dem Bedürfnis nach einem Ort für Großveranstaltungen jeder Art. Nun werde es noch 2 Millionen Euro Baugeld „dauern“ bis das 3000 m2 große und 4500 Plätze fassende Bauwerk der Stadt bzw. den Bürgern zur Verfügung gestellt werden könne. Nach einem Besuch des Geländes sprach der Bürgermeister von Santa Cruz de La Palma, Juan Ramón Felipe, davon, dass man „innerhalb der Anlagen das Gefühl hat, in einer großen Kathedrale zu stehen, in der die Stadt in Zukunft viele Veranstaltungen zelebrieren können wird, die zur Zeit wegen fehlender Infrastruktur nicht möglich sind. Der «Tanz der Zwerge» und das «Menuett» werden hier einen ihrer Bedeutung nach würdevollen Ort haben, an deren Aufführungen die Hauptstädter, Inselbewohner und Gäste viel Freude haben werden“. Auf Nachfrage hin bestätigte der Gemeindechef die Vermutung, dass in einer –im Vergleich zur bisherigen- Bauzeit, die auf ein Jahr begrenzt ist, keine großen Baufortschritte zu erzielen sein mögen. „Es stehen keine größeren Arbeiten mehr an, sondern es geht vielmehr um das Beenden schon begonnener Bauphasen, wie zum Beispiel dem Legen des Bodenbelags und der Installation von Sitzgelegenheiten. Letztere könnte man, wenn finanzielle Mittel fehlen würden, mit Zement modellieren. Wenn alles gut läuft, werden wir schon vor Ende diesen Jahres unseren Pavillon einweihen können“. An dieser Stelle rät der „Hauptstadt-Korrespondent“ dringend zum Kauf von Eintrittskarten mit Recht auf eine Sitzgelegenheit für den sehenswerten «Tanz der Zwerge», auch wenn am Ende nur rustikal oder gar nicht gesessen werden kann. Vielleicht regelt bzw. ermöglicht ja -wie anderswo- auch hier die Nachfrage das (Sitzplatz-) Angebot.

Die Entdeckung der langsamen Städtlichkeit
Eine vortreffliche Idee lässt sich dieser Tage aus dem Rathaus der Inselhauptstadt vermelden: Der „Stadtrat für Stadtgut und Tourismus“, Alejandro Hernández, prüft derzeit eine mögliche Teilnahme von Santa Cruz an der interessanten Städte-Vereinigung „Slow Cities“. Dieser weltweite Zusammenschluss von Städten unter 50000 Einwohnern setzt sich für eine Reihe von Tugenden ein, die zu einem „lebenswerten“ Aufenthalt in den Städten (zurück-)führen sollen. Ziel dieses Städte-Konzepts ist es, „möglichst nah mit den Bürgern einer Stadt ein neues Bewusstsein und eine neue Wertschätzung zu prägen“. So heißt es denn im Rathaus, dass die Inselhauptstadt bereits über nötige Voraussetzungen zur Teilnahme verfüge, wie beispielsweise ein buntes kulturelles Angebot und eine ethnographische Vielfalt. Besonders die Maxime des Projekts „dem schnellen städtischen Leben eine gewisse Langsamkeit anzubieten, die eine Verbesserung der Lebensqualität beinhalte“, gefiel dem Stadtrat und lässt ihn von der ersten Ortschaft auf dem kanarischen Archipel träumen, die dieses Prädikat für sich beanspruchen dürfte. Jedoch wäre es noch immer ein langer Weg zu einem potentiellen Beitrittsgespräch, denn die Organisatoren fordern eine Serie an Verpflichtungen, die über eine verantwortungsvolle Umweltpolitik, eine qualitätsorientierte Gastronomie und die Wahrung und Stärkung einer Regionalkultur auf der Grundlage der Agenda 21 führen.
Natürlich werde mit der Teilnahme auch auf eine potentielle touristische Vermarktung der Stadt geschielt und insbesondere der Weltenbummler, Individual-Reisende und Kreuzfahrtpassagier ins Visier genommen. Man wolle diesen Interessengruppen ein „Slow-City-Bewusstsein und damit die Erhaltung der Vielfalt und eine eigene Identität im Zeitalter der Globalisierung und Vermassung“ anbieten. Das solch ein Markt bestünde, hätte die Nachfrage auf den einschlägigen Messen bewiesen und ist seit langem Inselrealität.
Dieses ambitionierte Projekt hat einen recht simplen Ursprung: ein Spaghetti-Essen von Gourmets und ihr Aufruf zur „Rettung regionaler Küchentraditionen“ anlässlich der Eröffnung einer McDonald Filiale an der spanischen Treppe in Rom führte zur Gründung von „Slow Food“. Diese mittlerweile internationale Gruppierung verfolgt die Suche nach Lebensqualität am Geschmack und der Qualität der Lebensmittel. Zur Gründung von „Slow Cities“ war es dann nur noch ein kurzer Weg.
Die lobenswerte Initiative des Stadtrats lässt auf ein umweltverträgliches Bewusstsein schließen und auf politische Kooperationen hoffen.
SEÑOR DIAZ UNTERM TEPPICH
Er stieg, er fiel, er starb. Nun steht er auf dem Platz, an dem es geschah, und schaut ins Ungewisse. Oder vielleicht in unsre Gewissen?
Vor 145 Jahren wurde „Señor Díaz“, wie man ihn nannte, auf dem Friedhof von Santa Cruz beigesetzt. Seitdem gab es immer wieder Versuche, die sterblichen Überreste des beliebten Bürger-Pastors, Manuel Díaz Hernández, dahin zurück zu führen, wo er sechzig Jahre lang wirkte und wohnte: In die Kirche El Salvador. Das glückte Ende August dieses Jahres. In einer Urne und unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, begleitet von weltlichen und kirchlichen Würdenträgern, Schritt für Schritt vía San Telmo und schließlich über die Calle Real zur Plaza España. Und dort zur allerletzten Ruhe: „Los restos fueron enterrados finalmente en el antepresbiterio, donde ya descansan para siempre.“ Aha: „Die Reste… im Vorpresbyterium, wo er für immer…“
Aber wo ist die Urne denn nun? Mitte September war im Halbdunkel der Kirchenschiffe, in dem Prachtbau am schönsten Platz der Hauptstadt, keine Tafel, keine Vitrine oder sonst ein Hinweis auf Señor Díaz zu finden. Auch im Altarbereich keine Spur. Dafür Geraschel in der Sakristei und so fragten wir einfach dort nach seinem Verbleib.
Die Antwort: Er liegt unter dem dicken Teppich. Ohne viel Umstände hob der befragte Kirchenmann die Bänke an, bat um etwas Mithilfe, und so rollten wir den schweren roten Teppich mühsam bis zur Hälfte auf und dann lupfte er einen darunter liegenden Läufer und wir erspähten die Ecke einer beschrifteten Marmorplatte. Die soll dort bleiben. Der Teppich aber kommt weg. „Wann?“ – „Irgendwann nächste Woche.“
Wie der liberale Geistliche gewirkt haben mag, kann man auf der Plaza sehen, wo sein Denkmal 30 Jahre nach seinem Tod errichtet wurde. Manuel Díaz war freisinnig zu einer Zeit, als das leicht einmal eine Verbannung nach sich ziehen konnte (was es auch tat). Er setzte sich für Bürgerrechte, für Verbesserung des Schulunterrichts und für sozialpolitische Themen ein. Dafür wurde er von den Wenigen gehasst und den Vielen geliebt. Aber nicht seine politischen Fehltritte kosteten ihn das Leben, sondern ein Sturz auf seiner eigenen Kirchentreppe. Die liegt – wie er selbst – nun in seinem Rücken, sein weltgewandter Blick aber geht zum Rathaus. Zu den Stufen dort – vielleicht, um zu schauen, ob die ein- und ausgehenden Politiker von aufrechter Gesinnung sind. Auch auf dieser Treppe sind Fehltritte immerhin möglich…..
Der „Hauptstadt-Korrespondent“ wird aber zunächst einmal den Teppich im Auge behalten.
Lange Strasse – Kurzer Weg
Die Calle Real ist seit Jahrhunderten die Hauptgeschäftsstrasse von Santa Cruz. Nicht nur, weil sich Laden an Laden reiht, sondern weil man im Laufe eines Vormittags so gut wie jeden treffen kann, der etwas mit wichtigen Geschäften zu tun hat oder sonst wie als Entscheidungsträger gilt. Davon konnten sich Kaufleute aus aller Welt immer wieder mit Erstaunen überzeugen. Drahtlose Kommunikation, die ein Kontor fast überflüssig macht, den kleinen Kaffee aber um so notwendiger.
Der Inselpräsident zeigt erstaunlich früh in der Bar gegenüber der Casa Salazar. Häufig auch in Gegenwart seines Kulturministers. Und gerne in weiblicher Begleitung.
Der kurze Dienstweg wird dadurch manchmal zeitlich sehr lang. Je mehr Leute man kennt, desto länger. Das ist für viele Einheimische noch heute so. Auf einem Seminar wurde kürzlich die Frage ins Auditorium geworfen, welche wohl „die längste Strasse der Welt sei.“ Worauf eine rüstige Gasthörerin sinngemäß zur Antwort gab: „Die Calle Real ist die Längste; denn wenn ich am Morgen schnell zur Apotheke ans Ende der Calle Real muss, bin ich nicht vor Mittag wieder zu Hause.“
Der Unterschied zwischen den Tüten- und Taschenträgerinnen und den Entscheidungsträgern ist der, dass die Ersteren noch wissen was gut ist und immer gut war: das direkte Gespräch. Während Politiker und Geschäftsleute heute gerne die halbe Zeit damit vertun, einander den Rücken zuzuwenden, um mit irgendwelchen Dritten oder Vierten irgendwo anders in der Welt digital zu kommunizieren. Für den flanierenden oder kaffeetrinkenden Besucher der Stadt sind aber beide Versionen unterhaltsame Schauspiele.