Hauptstadtberichte

Neuer Laubengang am Theater beschattet Kopf und Blüte   (9. Apr. 2011)

Eine Pergola am „Blumenplatz“ am Teatro Chico wird ehemaligen Baum ersetzen

Wer in Santa Cruz de La Palma über Tagesfreizeit verfügt, und das sind in diesen Tagen nicht wenige, kennt das Problem: Die kleine Pause vom ausgiebigen Flanieren will nicht so recht gelingen, da ein geeigneter Platz fehlt, der Schutz vor gleißender Sonne, aufbrausendem Wind und generell vor des Bummlers Widrigkeiten meteorologischer Art, bietet. Nicht immer lässt sich der urbane Spaziergang durch das verwinkelte Zentrum der Stadt durch kostenpflichtige Cafépausen vitalisieren, gerade den jubilierenden „Jubilados“, den verdient berenteten Ruheständlern, ist nach einer Weile des Sichtens und Wandelns nach einer servicefreien Sitzgelegenheit zu Mute. Da kommt aber weder der nächstbeste Hocker in Frage, noch der warme Stuhl in den Warteräumen der Banken und Praxen der Heil- und Gesetzeskundler.

Nein, man hält sich viel lieber in öffentlichen Räumen auf; dort, wo mit grüßendem Laufpublikum und Sitznachbarn, mit frischer Luft und gelegentlichen Sonnenstrahlen zu rechnen ist. Also dann am Liebsten direkt neben der Markthalle. Denn da geht‘s lebendig zu, da wird palavert und da trifft‘s sich. Jahrzehntelang fand man sich hier ein, auf den Bänken am kleinen Theater, auf dem kleinen Platz der Blumenhändler. Hier ließ es sich die Zeit vertrödeln, und unendlich Plauschen.

Beschattet wurde die beschauliche Szenerie großzügig von einem majestätischen Ficus benjamina, einer alten Birkenfeige, die ihr grünes Laubwerk stolz über die (Blumen-)köpfe streckte und ihnen so die nötige Schattenkühlung bescherte. Beliebt war er, der Baum. Zum Opfer fiel er, durch ein Unwetter im vorigen Jahr. Seitdem wollte sich weder Kopf noch Blüte so richtig an die neue (baumfreie) Situation gewöhnen und brachte ihr ungestümes Unbehagen schon mal durch welkes Blatt und rote Platte zum Ausdruck.

Eine patente Lösung musste also her, und die hieß in diesen Tagen „Pergola“. Seitdem wird gesägt und geschraubt an der Rückwand des Teatro Chico, gepasst und gehobelt an der Avenida del Puente. Das anfängliche Aufatmen der Floristen, der wohl spontan ausgedrückte Impuls einer Photosynthese seitens der Flora und der jäh einsetzende Jubel der Jubilare wich jedoch schnell einem aufkeimenden kritischen Umgang mit dem Gebälk. Man hätte sich doch lieber wieder über einen richtigen Baum gefreut, der, so ganz wie früher, durch sein Buschwerk Kühle und Sichtschutz gewährt hätte. Oder aber auch über eine Palme, deren Wedel so angenehm rascheln.

Befürchtet wird nun, von Pflanz und Geschöpf, dass der fertige Laubengang keinen Gefallen finden kann und sich dann -zumindest von dem, der von allen Beteiligten mit funktionierenden Beinen gesegnet wurde- wieder ein neuer Ort des Verweilens und  Ausruhens gesucht werden muss.

Auch Zwerge haben Recht auf geistiges Eigentum   (1. April 2011)

Autorenrechte an Zwergen-Polka schlagen zu Buche

Auch in einer kleinen Stadt, wie es die Hauptstadt Santa Cruz de La Palma nun mal ist, kann den Stadtvätern im historischen Gebälk eines Rathauses an geschichtsträchtigen Plätzen schon mal die große Verwunderung im Gesicht stehen, wenn der zwergenhafte Rahmen der finanziellen Möglichkeiten unerwartet von einer mächtigen finanziellen Forderung bedroht wird. Der Anlass hierzu passte dagegen auf einen DIN-A4 Bogen Papier.

Dieser Tage erreichte das Gemeindehaus der Hauptstadt eine Rechnung, in der die Verwertungsgebühren der Autorenrechte an der Polka aufgelistet stehen, die bei den illustren Aufführungen des beliebten Zwergentanzes anlässlich der alle 5 Jahre stattfindenden Festlichkeit „Bajada de la Virgen“ im Sommer vergangenen Jahres 2010 anfielen und die sich auf 10% der umgesetzten Eintrittsgelder oder rund 70.000 Euro belaufen sollen. Rechnungssteller ist hierbei die Gesellschaft SGAE, die sich in Spanien -ähnlich der GEMA in anderen Gefilden- um die Autorenrechte an geistigem Eigentum, wie beispielsweise etwa an Musikstücken, kümmert. Nun liegt die Polka -in politischen Zeitdimensionen betrachtet- bereits eine halbe Ewigkeit zurück, die üppigen Einnahmen aus den Verkäufen der mit durchschnittlich 25 € nicht gerade billigen Eintrittskarten für die höchstens minutenlange Darbietung gerieten schon vor Langem außer Sichtweite. Angesichts der klammen Gemeindekasse und des Tagesgeschehen bestimmenden Wahlkampfes sehen sich die Verwalter des städtischen Etats vertrauter Weise jedoch Außerstande, den Beträgen derzeit die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.

Nun ist der Zwergentanz der Höhepunkt der Veranstaltung und zieht Tausende in seinen Bann: ein schwergewichtiges Stück Tradition, mit dem sich Geld verdienen lässt. Ganze sechs Aufführungen an nur einem Abend fanden auf der Festbühne am Hafen statt, jede mit über 1.000 Gästen ausverkauft. Große Summen wurden da umgesetzt; da will man mitverdienen. Dabei haben diese wunderbaren Darbietungen leidenschaftlichen Amateurcharakter, die Tänzer selbst verdienen nach monatelangen Vorbereitungen lediglich den enthusiastischen Beifall.

In der „Königsmeile“, im Herzen des historischen Zentrums von Santa Cruz de La Palma, diskutiert man dieser Tage, wie weit geistiges Eigentum reichen sollte und ob Zwerge auch zu Salsa & Merengue-Klängen tanzen würden. Unterbrochen werden diese kaffeegetränkten Diskurse nur hin und wieder von einigen Takten eben dieser Zwergenpolka, die als unbedarfter Klingelton von Handys die Füße unbeteiligter Nebentischler wippen lässt.

Enano vom "Tanz der Zwerge"

Enano vom "Tanz der Zwerge" auf der Plaza de Alameda

Licht ins Dunkle bringen unerwünscht   (18. März 2011)

Die Gemeinde Santa Cruz de La Palma verletzt das „Licht-Gesetz“

Normalerweise liebt der nach Entspannung suchende Hauptstädter ja den abendlichen Bummel durch das weitgehend denkmalgeschützte Historische Zentrum der Stadt. Gelegentliches Verweilen vor einem der beleuchteten Schaufenster in der Calle Real, die kurze Inaugenscheinnahme des Handtascheninhaltes unter einer potenten Straßenlaterne oder die helle Übersichtlichkeit auf den sonst dunklen Plätzen sind des Hauptstädters Annehmlichkeiten auf seinen Spaziergängen in den späten Abendstunden. Durch ein Gesetz aber, das bereits 1998 erlassen wurde und seitdem die Beleuchtung öffentlicher Straßen und Plätze auf der Insel regelt, wird ihm diese liebgewonnene Gewohnheit täglicher Annehmlichkeiten getrübt.

Denn da befindet sich ja das Astrophysische Observatorium hoch oben auf der Insel, dessen internationale Betreiber auch am Abend beginnen, ihren Bummel zu unternehmen. Nur, dass sich eben ihr von wissenschaftlichem Interesse gekennzeichneter Bummel nicht auf die objektiv reizende Altstadt von Santa Cruz de La Palma erstreckt, sondern auf die unendlichen Weiten des nächtlichen Sternenhimmels. Deren ungetrübter Blick durch hochsensible und  lichtempfindliche Gerätschaften auf die Sterne benötigt eigentlich absolute Dunkelheit und macht nur wegen der relativen Bevölkerungsdichte auf der Insel eine Ausnahme. Im Zuge dessen wurde eben ein Gesetz zur zulässigen Lichtverschmutzung des Nachthimmels auf La Palma erlassen und schreibt ganz konkrete Lichtverhältnisse in den Gemeinden vor, um die Qualität der Ressource Inselfirmament zu gewährleisten. Das bedeutet, dass entsprechende Leuchtmittel zu verwenden sind, um urbane Plätze und ländliche Ecken und Wege zu beleuchten. Eine Anschaffung, die nicht jede Gemeinde leisten kann. Laut Schätzung werden dafür ca. 700.000 Euro aufgewendet werden müssen. Andere Gemeinden können es aufgrund ihrer geringfügigen Größe billiger haben und haben gegebenenfalls bereits vor Zeiten das Nötige veranlasst, um jene Richtwerte der zulässigen Ausleuchtung zu erfüllen. Was die Hauptstadt aber anbetrifft, so ist die leere Gemeindekasse dafür verantwortlich, dass noch immer keine adäquaten Lampen eingekauft werden konnten und daher immer noch zuviel lichtverschmutzt wird. Und das, obwohl bereits vor zwei Jahren angemessene Gelder dafür bereitgestellt wurden. Denn weniger Licht kostet eben mehr. Dazu kommen ja auch die normalen Kosten des Austausches von defekten Leuchtmitteln, die aufgrund ihrer Lebensdauer oder einem vitalen Vandalismus ihre Funktion einstellten. Da bleibt dem städtischen Abendflaneur bis zur Sanierung der wirtschaftlichen Situation seiner Gemeinde also weiterhin ein heller Blick auf das im abendlichen Dunkel hell bestrahlte Rathaus. Und dem Sterngucker der Ausblick auf Erleuchtung durch wissenschaftlichen Einfallsreichtum oder einer zweiten wohlwollenden Zuwendung öffentlicher Mittel.

Nacht in Santa Cruz de La Palma

Die "Calle O'Daly" in Santa Cruz de La Palma bei Nacht

Santa Cruz de La Palma, ein Hauch von porentiefem Weiß   (4. März 2011)

Der “Carnaval” zelebriert am kommenden Montag Tradition und Etikette

Weiß, weißer, am weißesten – diese unbunte Komparation wird auch in diesem Jahr wieder am „Día de los Indianos“, am palmerischen Rosenmontag, der dieses Jahr auf den 7. März fällt, die erwartete Kleiderordnung in Santa Cruz de La Palma vorgeben. Schon seit Wochen hängt für den seriösen Karnevalisten, der für zelebrierte Traditionen etwas übrig und einen ungetrübten Sinn für uniformiertes Treiben hat, in den einschlägigen Läden und Geschäften der liebenswerten Hauptstadt die entsprechende weiße Kluft am Haken, um am „Tag der Tage“ entsprechend ausstaffiert zu sein. Die einheitliche Auswahl geht dabei von der einfachen Klamotte – weißes Shirt und weiße Baumwollhose – bis zum schmucken Leinenanzug mit Panamahut und edler Weste bzw. dem weißen Rüschenkleid, das farblich sehr dezent mit Seidentuch und blumigem Dekor eskortiert wird.

Wer über die engen Grenzen des uniformen Treibens hinaussieht, erkennt hie und da und ganz gelegentlich Überreste der historischen Bedeutung und Semantik all dessen. Es wird an diesem geschichtsträchtigen Tag nämlich den heimkehrenden Inselbewohnern gedacht, die um 1900 der argen Not wegen auszogen, um in der Karibik und auf Cuba ihr Glück zu suchen und teilweise auch zu finden. Die historisch belegte Landung dieser nunmehr feinen Leute mit ihren Kindern auf der Insel soll an diesem Tag karikiert und parodiert werden und findet jedes Jahr Tausende von imitierenden Anhängern, die diese palmerische Tradition mit Leben erfüllen und die Hauptstadt in ein filmreifes Menschenmeer verwandeln.

Warum und wie jetzt aber das Babypuder ins weiße Spiel passt, das sich aus Tausenden von gratis verteilten Talkumflaschen auf jeden Quadratzentimeter freier Haut, edler Kleidung und historisches Kopfsteinpflaster legt, ist, da lediglich mündlich überliefert, allenfalls spekulativ. Dem unbedarft Feiernden kann es ja auch egal sein. Hauptsache, er führt mindestens eine dieser Puderdosen mit sich – schon um etwaige Ahnungslose, die sich außerhalb des unentbehrlichen Protokolls in farbenfroher Alltagskleidung bewegen, etwas von diesem endemischen Pathos auf das Haar oder ans Bein zu geben.

Wer gut organisiert ist, hat zudem noch einen kleinen Lederkoffer dabei, der die klassischen Getränke bereithält. Die anderen müssen sich an die zahllosen Theken der Ausschankstände drängeln, um ihren „Cuba Libre“ oder „Mojito“ zu bekommen. Mitunter wird man dann auch gleich zu einem eingeladen. Und eigentlich gehört dann auch noch -gerade im Jahr der gesetzlich geregelten Rauchhabitus – die palmerische „Puro“ dazu. Ob sie im Jackett als Requisite oder im Mundwinkel wie bei Fidel Castro getragen wird, sei an dieser Stelle jedem selbst gestellt und anderen erst recht frei überlassen.

Sandstrandvergabe und Strandsandgehabe  (14. Februar 2011)

Noch vor dem Karneval will die Hauptstadt den neuen Stadtstrand beginnen

Das geht jetzt aber schnell. Geradezu schwindlig könnte es da ja dem Hauptstädter beinahe werden, ist man doch in Santa Cruz de La Palma ganz andere Tempi gewohnt. Aber aus dem historischen Gebälk des Rathauses schallt dieser Tage tatsächlich immer wieder der Klageruf nach dem Strand, der der Stadt ihr neues und dem Meer zugewandtes Gesicht und der harrenden Bevölkerung nach langen Jahren der kreativ formulierten Besänftigungen ihren urbanen Frieden geben soll. Immerhin hatte man ihn den ahnungslosen Bürgern zu seiner Zeit in städtebaulicher Absicht ja einfach so weggenommen.

So ruft der sonst so resignierungsresistent wirkende Gemeindechef denn hoffnungsfroh nach Madrid, auf das er dort von der staatlichen Zuständigkeit erhört werde. Aber die hat dort derzeit alle Hände voll zu tun und lässt lediglich durchscheinen, dass relative Verzögerungen in dieser Provinzsache nicht ungewöhnlich und den politischen Umbildungen im eigenen Hause anzulasten seien. So muss unser Bürgergeselle nun erstmal selbst die öffentliche Hand anlegen. Sein suchender Blick in die Unterlagen fällt da auf die mal stattgefundene Ausschreibung der künftigen Strandarbeiten, die mit fast 30 Millionen Euro Steuergelder und 19 Monaten Bau- und Lebenszeit beziffert wurden. Das wollen sich rund 20 Unternehmen der Branche nicht entgehen lassen und gaben ihre Unterlagen hierzu brav ins Rathaus. Schnell soll jetzt entschieden werden, wer den emblematischen Strand bauen darf. Denn: Das bunte Karnevalstreiben steht bereits im März vor der Rathaustür und im Anschluss dann gleich die Kommunalwahlen im Mai. Gern möchte das Stadtoberhaupt in dieser Sache eben erhobenen Hauptes und völlig unbelastet karnevalieren und beim Feiern feierlich davon verkünden, dass der erstrittene Baubeginn schon zurück und der feine Sandstrand eigentlich schon so gut wie vor der Stadt läge. Gleich nach dem Aufräumen der umfangreichen Hinterliegenschaften der Karnevalisten soll dann auch Tacheles geredet und der Bau so richtig angepackt werden; was zu bewerkstelligen wäre, denn der immer nüchterne Bürgermeister wünscht sich ja dafür dann am Wahltag (22. Mai) vom Bürger ein Kreuz zu seinen Gunsten. Immerhin wurde von ihm zu diesem geheiligten Zweck ja auch schon vorsorglich die Festbühne und das feierliche Zentrum des Kostümfestes vom zukünftigen Bauplatz des Stadtstrandes in den Hafenbereich verlegt. Die ersten 3 Millionen Baugeld aus Madrid könnten also umgehend in den Sand und Strand gebaut werden.

Alle Zeichen stehen derzeit auf Bewegung in Santa Cruz de La Palma, in welche Richtung ist da erstmal nebensächlicher Natur. Nur Stillstand bedeutet dieser Tage dem politischen Establishment Rückschritt und wird gefürchtet wie die Cholera. Das sich auch unter manchem Schritt nach vorn eigentlich einer in die entgegengesetzte Richtung verbergen kann, passt im Moment nicht ins publikumswirksame Konzept. Und ein charmantes Verweilen kann ganz oft auch den nächsten Schritt einer Überlegung durch ein beherztes Umdenken völlig überflüssig machen.

Der Hauptstadt Auge und Ohr sein   (31. Januar 2011)

Wahlkampf in Santa Cruz und ihre vergessenen Wunden

Es gibt Zeiten, in denen „organisierte genetische Einheiten“, nennen wir sie im besten biologischen Sinn „Lebewesen“, über außerordentlich gut funktionierende Sinnesorgane verfügen. In ihnen lässt sich derzeit eine gewisse Unruhe erkennen, die im öffentlichen Diskurs -wie im unseren Fall- politischen Charakter hat und gemeinhin als „Wahlkampfperiode“ bezeichnet wird. Und dann wiederum gibt es Orte, an denen selbst Dinge, die nicht ferner jeder dieser angesprochenen organisierten genetischen Einheiten sein können, nennen wir sie Gebäude aus Stein und Zement, über einen sensorischen Apparat zu verfügen scheinen und alles das, was sich in den Straßen um sie herum erzählt wird, in geschwätziger Form wiedergeben.

Einmal mehr hat da der Hauptstadtbewohner in diesen Tagen vor den politischen Neuregelungen im Rathaus und im Cabildo das Gefühl, als hätten die Häuser und Plätze Augen und Ohren und brächten alle Unzulänglichkeiten an das helle Tageslicht. Diese Sinnesorgane gilt es denn auch bis zum Mai stets geputzt und offen zu halten, will man als mündiger Bürger die Geschicke der Gemeinde mitbestimmen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem die politischen Gruppierungen nicht ihren Finger auf Hauptstadtwunden legen, die sich im Laufe der letzten Legislaturperiode aus Unachtsamkeit oder chronischer Betriebsblindheit nicht schließen konnten. Man könnte fast meinen, dass die heimischen Wohnzimmer der Santa Cruzler all das Schwadronieren über missglückte Aktionen der Volksvertreter gepetzt und ausposaunt hätten. Sei es drum, der Bürger fühlt sich beim Blick in die Zeitungen erhört und die regierende Partei kompromittiert. Das könnte eigentlich so weiter gehen, wäre da nicht der Tag, an dem die Hoffnungen auf eine bessere Zukunft per Kreuz auf dem Wahlschein manifestiert werden.

Bis dahin werden die Regierenden hier alles versuchen, einen guten Eindruck zu machen und Wunden zu bedecken. Da wird dann in aller Eile der Kinderspielplatz an der Avenida Marítima großzügig frisiert und mit neuem Gerät bestückt, oder Bauarbeiten an Schulen begonnen, um die ausquartierten 600 Schüler dann doch noch irgendwann zurück an ihren Schreibtisch holen zu können, bevor sie Abitur machen und mit gemischten Gefühlen aus ihren improvisierten Behelfsklassenzimmern ausziehen. So geschieht es, dass die Schule Alonso Pérez Díaz an der Plaza Santo Domingo aus ihrem fast zweijährigen künstlichen Koma geholt wird und zumindest erstmal öffentliche Ausschreibungen über eine 2,4 Millionen schwere Instandsetzung stattfinden. Wie lange dann die auf 18 Monate festgelegten Bauarbeiten dauern werden und wann sie beginnen, steht nach der Wahl in den Sternen und wird wohl spätestens in 4 Jahren, wenn die Wahlurnen wieder in Sichtweite geraten, endgültig entschieden sein.

Illusionen sind des Träumers Instrumentarium, die in anderen Zeiten unendlich wertvoll sein können, hier und jetzt jedoch dem mündigen und mitbestimmungsbereiten Geist lähmen. Wer in den Cafés und auf den Plätzen von Santa Cruz de La Palma auch nach der Wahl ordentlich über Geschick und legitim über Politik mitschimpfen will, legt schon dieser Tage seine Wahlunterlagen zurecht und nimmt sich am 22. Mai nichts Geringeres vor, als die unmittelbare Zukunft seiner Gemeinde und Insel mitzubestimmen.

Colegio Alonso Pérez Díaz an der Plaza Santo Domingo

 

 

Maritimer Weihnachtsmarkt und Großseglertreff im Hafen (7. Dezember 2010)

Nach einmal Aussetzen im letzten Jahr haben die Hauptstädter ihr weihnachtliches Hafenfest zurück – und ein Stück ihrer Tradition

Tradition bezeichnet die Weitergabe (das Tradere) von Handlungsmustern, Überzeugungen und Glaubensvorstellungen u. a. oder das Weitergegebene selbst (das Traditum, z. B. Gepflogenheiten, Konventionen, Bräuche oder Sitten). Soweit und einfach lässt sich die Begriffsklärung aus Wikipedischer Quelle niederschreiben. Was theoretisch gelingt, war zumindest 2009 in der praktischen Umsetzung nicht so einfach – um nicht zu sagen: unmöglich. Gemeint ist hier in der Hauptstadt Santa Cruz de La Palma die nunmehr seit 13 Jahren gepflegte und beliebte Tradition des maritimen Weihnachtsmarktes am Hafen. Gemessen an der sozialen und kulturellen Bedeutung einer solchen Tradition, sind den Santa Cruzlern wirtschaftliche Ursachen, die in diesem Fall zum Aussetzen einer solchen führten, niedere Beweggründe.

So freut man sich dieser Tage in der „Königsmeile“ Calle Real, so wird frohlockt am Marktstand: Nach einem allzu stillen Spaziergang an der Hafenmole im vergangenen Jahr, kehrt die weihnachtliche Kultur und der liebgewonnene Brauch dieses Jahr in die Hafenanlage von Santa Cruz de La Palma zurück. Am 25. Dezember sind im Hafenbecken wieder die Großsegler zu bestaunen und besichtigen, die Auslagen der Weihnachtsmarktstände zu prüfen, dem leichten Treiben an der Waterkant zuzuschauen. Der Organisatorin des Windjammertreffens und Weihnachtsmarktes, Conny Spelbrink, ist es dieses Jahr gelungen, Sponsoren wie die Inselregierung, das Rathaus und die Hafenbehörde für dieses Ereignis zu begeistern. Obwohl die Hilfen krisenbedingt magerer ausfallen mussten wie in anderen Jahren: Die Veranstaltung finanziert sich beinahe selbst. Aber reichen die Mittel doch, um ein erlesenes Kulturprogramm auf die Beine zu stellen: ab 9.30 Uhr öffnet sich der Weihnachtsreigen in und um die Hafenhallen und lädt zum Schauen und Hören ein; denn: die originelle Formation „ONG El Cardero Punto Com“ spielt kubanische und südamerikanische Rhythmen und wird am Nachmittag von dem versierten Pianisten Anton Hosinsky abgelöst. Wer Seemansgarn mag und sein Faible für Seefahrerromatik pflegen möchte, ist am Vormittag eingeladen, sich die sehenswerten Schiffe (wie beispielsweise den Windjammer „Roald Armundson“ oder die „Lord Nelson“) genauer anzusehen und an Bord zu gehen. Und obwohl mit wahrscheinlicher Sicherheit der ein oder andere vom Vorabend ein beengendes „Feinkostgewölbe“ vor sich her tragen wird, werden die Essen- und Getränkestände doch zum kulinarischen Kräftevergleich verleiten.

Die Hauptstadt und die gesamte Insel hat ein Stück Tradition zurück erhalten. Wenn es nach der Organisatorin geht, soll dies auch so bleiben und wieder eine sich alljährlich wiederholende Hommage an die (maritimen) Traditionen sein. Denn letztendlich ist gerade am Weihnachtstag (den Seefahrern gegenüber) zelebrierte Gastfreundschaft eine bescheidene Geste, die Gutes bewirken und Unzulänglichkeiten kompensieren helfen kann.

Man macht auf sauber  (16. April 2010)

Licht für Velhoco – die Sonne soll’s regeln

Im Festjahr passt zu frisch gestrichenenHäuserfassaden in der Hauptstadt nur eins: eine ebenfalls saubere Energiegewinnung. Mit einer Investition von rund 53.000 Euro will das Rathaus nun auch in Sachen Stromgewinnung Nägel mit Köpfen machen. Fortan werden verschiedene Stadtteile nämlich mit Sonnenkollektoren ausgestattet, die des Nachts für die nötige Energieversorgung der öffentlichen Beleuchtung sorgen sollen. Ausgesucht haben sich die Stadtväter diesbezüglich den oberen Stadtteil Velhoco. Genauer gesagt, in den Straßenabschnitten Cruz de San Vicente in Richtung Süden und am Verbindungsweg zwischen Tierritas und Cuesta Medina, einem erst kürzlich als Fußgängerzone deklarierten Abschnitt. Der Bürgermeister von Santa Cruz de La Palma, Juan Ramón Felipe, möchte wohl mit dieser Aktion hervorheben, dass die Hauptstadt zum Festjahr nicht nur sauber sondern eben auch rein ist. Auf Anfrage erhellt er gern etwaige Dunkel ob der Überlegungen, die ihn zum Griff in die Kiste umweltschonender (Licht-) Veränderungen haben greifen lassen, mit der Erklärung, einen besonders ländlichen (und daher nächtens dunklen) Stadtteil in die beleuchtete Stadt geholt haben zu wollen, damit auch die dort lebenden Anwohner „sicher“ auf nächtlicher Straße seien – und das selbstverständlich auf besonders umweltschonende Art und Weise. Abgesehen von den Festlichkeiten, die in der Hauptstadt schon zeitnah eingeläutet werden sollen, könnte beinahe gemutmaßt werden, dass der Stadtvater hier bereits über den kommenden Trubel auf das nächste (Wahl-) Jahr wirft. Und was ist zumindest nachts am besten zu sehen? Das Licht, das der Bürgermeister seinen Gemeindemitgliedern schenkt und sie daran erinnern möge, ihr Kreuz an der richtigen Stelle zu machen.

Der„Hauptstadt-Korrespondent“ erinnert sich an eine Insel mit nächtlicher Dunkelheit und den praktischen Beweis dafür, dass gerade zu Dunkelzeiten auch manches dunkel bleiben sollte. Denn wer bei rabenschwarzer Inselnacht unnöti- ges Licht vergießt, verstrahlt sich seinen Ausblick nach oben, in den fantastischen Nachthimmel von La Palma, dessen Sterne – ganz ohne Absichten – über ihn leuchten.

Ein neues Hafengebäude mit Namen Marina (03-04-2010)

Maritimes Flair für den Flaneur und Dienstleistung für den Matrosen

Vielleicht hat der eine oder die andere sich beim Blick auf die Baustelle am Hafen mitunter gefragt, was das denn soll, ob das denn der neue Fred-Olsen-Terminal oder die San-Martín-Ausgabe für die Blaujacke werden soll. Kurz vor Fertigstellung wird das Geheimnis nun nicht nur gelüftet, sondern das Kind bekommt sogar gleich einen Namen: „Marina La Palma“.

Das ehrgeizige Bauprojekt auf dem Hafengelände in Santa Cruz de La Palma soll schon im Mai fertiggestellt und spätestens zu Beginn der Feierlichkeiten zur „Bajada de la Virgen“ im Juli seinen Betrieb aufnehmen. Denn hier soll sich schon bald der Besucher von Santa Cruz und der Reisende über‘s Meer wohlfühlen und sich auf den fast 5.000 Quadratmetern auf Kommendes einstimmen können. Wer sich als Seemann einschifft, sucht sich unter den 180 Liegeplätzen ein schaukeliges Plätzchen für sein Boot und nutzt als Kapitän die üppigen Service-Einrichtungen wie den Businessbereich mit modernster Kommunikationstechnik oder als Smutje den Minimarkt für seine Kombüse. Wen es seewärts treibt, nimmt von Santa Cruz auf stilvolle Art Abschied und schlendert in Gedanken über 750 Quadratmeter Terras- senfläche.

Der Präsident des benachbarten „Club Naútico“, José Jaubert, macht seiner Begeisterung Luft und betont, „dass dieses Gebäude sowohl einen großen kommerziellen Bereich als auch ein Serviceareal dem Besucher und Nutzer anbieten wird. Außerdem wird mit dieser neugeschaffenen Fläche eine neue Zone für Freizeitgestaltung eingerichtet werden, da die Lage äußerst angenehm ist und das Gebäude über zahlreiche Terrassen verfügt, die dazu einladen, die exzellente Aus- sicht zu genießen“.

Das am neuen Sporthafen von Santa Cruz gelegene zweistöckige Gebäude wurde von dem Unternehmen „Puerto Calero de Lanzarote“ geplant und wird von diesem auch zukünftig – zusammen mit dem Club Naútico von Santa Cruz – betrieben werden. Die Hauptstadt rückt damit ein ganzes Stück näher ans Meer. Oder das Meer in die Hauptstadt, wenn es dem Betrachter so beliebt. Ob es denn auch den gewünschten Impulseffekt für die lokale Wirtschaft leisten kann, darüber kann zu diesem Zeit- punkt nur spekulativ sinniert werden. Aber immerhin interessieren sich bereits eini- ge Geschäfte und Restaurants für diesen Standort und es sei diesbezüglich bereits sogar zu konkreten Verträgen gekommen. Beispielsweise haben sich hier Marken wie „Natura“ oder „Custo Barcelona“ angekündigt, ein Minimarkt, Bars, ein Eisladen und Cafés. Im oberen Stock habe es zudem konkrete Verhandlungen mit dem Re- staurant „La Placeta“ und dem renommierten Gastwirt José Rojano gegeben. Optimisten gehen davon aus, dass bei der Inbetriebnahme des Gebäudes mindestens 60 Prozent des kommerziellen Bereichs belegt sein wird.

Der„Hauptstadt-Korrespondent“ muss sich an den Anblick vor dem Ausblick erst einmal gewöhnen. Gänzlich untypisch, unwillkürlich und bar jeder Seefahrerromantik hört er die Nachtigall trapsen und denkt an den Knochen, der da zum Hund kommt. Als Städter und Anlieger wähnt er sich dort des Sonntags zeitungslesend und wünscht Marina gutes Gelingen und den Planern Recht bei Zahlenspiel und Prognose.

 

Mund-zu-Buch-Propaganda in der Hauptstadt (21. Oktober 2009)

Wenn es etwas gibt, was wirklich relevant für die Insel sein könnte, profitiert die Inselregierung -formell meistens “Cabildo” genannt- auch von ihrer zentralen Lage im Zentrum von Santa Cruz de La Palma. Denn diese begünstigt die schnelle Weiterleitung von Informationen, die oft an den zahlreichen Cafétischen der umliegenden Bars ihren Ursprung haben und sich sekundenschnell –ganz ohne Hilfe der modernen Medien wie Facebook oder Twitter- in der Stadt verbreiten. Wenige Schritte nur braucht da der Beamte, um sich vom vormittäglichen Info-Plausch auf den Straßen und Plätzen in seine heimeligen Büros zu begeben, um die taufrischen Neuigkeiten in den vielen Etagen der charakteristischen Architektur des Machtzentrums an der Avenida Marítima der Hauptstadt breitzutreten und mitunter damit ungewollt für impulsive Bewegung auf den Gängen und in den Köpfen der Volksvertreter sorgt. Das kürzlich veröffentlichte Buch “Die kanarischen Inseln aus alten Quellen” von Peter Borschberg ist hierfür ein gutes Beispiel. Unumstrittene Relevanz für die Insel und das gesamte kanarische Archipel wurde dem Buch schon in kürzester Zeit nicht nur vom Cabildo zugesprochen, denn es zeichnet die (Früh-) Geschichte der “glückseligen Inseln” streng dokumentarisch und frei von Legendentum nach und räumt vielerorts mit Irrglauben und üblichen Denkschemata auf. Im dem Wust von bruchstückhaften Zeugnissen und Überlieferungen, die über die Geschichte der Inseln berichten, leistet der Autor akribische Detektivarbeit und trägt die Fakten in seinem von exzellentem Kartenwerk bereicherten Buch zusammen. Zahlreiche Missverständnisse, die sich oft sogar über Jahrhunderte halten konnten, werden hier ausgeräumt und dem Leser beispielsweise die wahren Zusammenhänge zwischen der Namensgebung “Canarias” und dem König Iuba II von Mauretanien (50 v. Chr.-23 n.Chr.), der aus politischen Gründen stets ein düsteres Bild dem seinem Königreich vorgelagerten Archipel zeichnete, erklärt. In diesem Zuge verstrickt sich selbst Homer, Herodes, seine verwitwete Schwiegertochter und Kaiser Augustus in die frühzeitliche Geschichtsschreibung der Kanaren und lässt die Inselgruppe mal in einem ganz anderen Licht erscheinen. Dem “Hauptstadt-Korrespondenten” gefiel u.a. die in dem Buch beschriebene Stelle eines surreal anmutenden Zusammentreffens von “Mumien der Kanarier” und “europäischen Apotheken”, die –anders als bei den wirklichen Surrealisten – durchaus auf realer Ebene dokumentarisch seriös belegt ist und in interessantester Art und Weise die klaffenden Bildungslücken hinsichtlich der Kenntnisse über die wahre Identität der kanarischen Inseln zu schließen vermag.

 

 

Altes Kartenmaterial

Altes Kartenmaterial

 

Die Hintertüren von Santa Cruz (26.09.09)

Das mitunter enge Gassenviertel im historischen Stadtzentrum der Hauptstadt ist beschaulich und erfreut sich gerade bei Besuchern eine nicht zu leugnende Beliebtheit. Hier wird gebummelt, geschaut und fotografiert, was die Speicherkarte hergibt. Aber auch bei den Bewohnern der Hauptstadt erfreuen sich die verwinkelten Wege, über die man schnell mal eine Ecke abkürzen oder überhaupt erst zu seinem Ziel gelangt, großer Popularität. Denn gerade in Schulnähe haben sich diese versteckten Zugangswege bewährt und ermöglichen es den autofahrenden Eltern, ihr Vehikel vor dem alltäglichen Verkehrschaos an den Bildungseinrichtungen zu schützen, indem auch unkonventionelle “Kurzzeitparkplätze” in Schulnähe angefahren werden können, um die lieben Kleinen zur Schule zu geleiten.

Auch ist die Kenntnis von diesen kleinen Wegen insbesondere bei Regentagen ein entscheidender Vorteil, da sich die Bevölkerung ab einer mittleren Luftfeuchte für jede Bewegung außer Haus intuitiv in die liebgewonnenen Vierrädler setzt und zu einem Geschiebe auf den Strassen -von kurz vor und kurz nach neun- beiträgt.

Dabei sind die Gassen -historisch gesehen- eher von einer lebenserhaltenden Bedeutung für die Hauptstadtbewohner gewesen, da bei Piratenübergriffen, den Freibeutern ein Eindringen in die Stadt erschwert werden sollte. Heutzutage sind es zum Teil gerade diese schmalen Durchgänge, die es den Anwohnern ermöglicht, von ihren Behausungen auf das Meer zu schauen. Allenfalls schlendern heute stadtplanfaltende Kreuzfahrttouristen über den vielerorts verlegten, historischen Kopfstein. In der Fußgängerzone hat sich die “Calle Trasera”, die parallel zur Calle Real verläuft, zu einem unverzichtbaren Durchgang all jener entwickelt, die schnell mal von A nach B kommen oder einfach nur unerkannt das Stadtzentrum durchqueren wollen. Zu gesprächig ist da nämlich die Calle Real, auf der viele “Tagesfreizeitler” patrouillieren, um all die neuen Gerüchte in die Welt zu setzen, die dann für den Gesprächsstoff am Cafétisch sorgen.

Der “Hauptstadt-Korrespondent” schätzt diese Hintertüren der Hauptstadt und empfiehlt einen Bummel durch dieselben. Denn dort trifft sich die Vergangenheit mit der Gegenwart und ein Schutz vor Sonne und jeder Art von Niederschlägen bieten sie allemal.

 

 

Alte Kopfsteinstrasse im Stadtzentrum von Santa Cruz de La Palma

Alte Kopfsteinstrasse im Stadtzentrum von Santa Cruz de La Palma


Der veredelte Flohmarkt in der Hauptstadt (19. Juni 2009)

Das Rathaus von Santa Cruz lässt es sich was kosten, den “Mercadillo” zu verschönern.

 

 

 

 

 

 

 

Endlich ist es bis in die obersten Rathausetagen gedrungen: Der Flohmarkt in der Hauptstadt, der stets am 1. Sonntag eines jeden Monats Scharen in die noch schläfrige Stadt und an den schon betriebsamen Hafen führt, ist ein Renner. Kontinuierlich etablierte sich der Budenzauber auf dem Parkplatz vor dem Hafen in die Herzen der Besucher und in die Terminkalender der Standbetreiber. Nun möchte selbst das kapitaline Rathaus an dem Spass teilhaben und spendiert daher dieser freien Veranstaltung kurzum 55 neue mobile Zeltschirme und die doppelte Menge an neuen Tischen, die während des nächsten bunten Treibens, am 5. Juli, zum Einsatz kommen sollen.

Dieses vergegenständlichte “Make-up” des hauptstädtischen Flohmarktes bezahlt sich nicht gerade aus der Kaffeekasse: rund 85.000 Euro gibt das Gemeindehaus hierfür aus der öffentlichen Hand, wobei allerdings ca. die Hälfte der Summe aus einem Pott der für Handel und Gewerbe zuständigen Stelle der Kanarenregierung auf Gran Canaria stammt und auch die hiesige Inselregierung sich mit etwa 30% an den Gesamtkosten beteiligt. Dem Rathaus von Santa Cruz de La Palma bleiben für diesen guten Zweck doch immerhin noch gut 20% der Investitionssumme oder 17.300 Euro aufzuwenden.

Der versierte Treuhänder hierfür ist der umtriebige Stadtrat für Städtebauentwicklung, Personal- und Marktwesen Carlos Matos, der auf sein Wirken angesprochen, angab, dass “diese Neuerung dazu beitragen wird, die Form eines Flohmarktes zu veredeln. dessen Besucherzahl von Monat zu Monat steigt und bedeutende Chancen für den Geschäftsbereich mit sich bringt.” Nicht unerwähnt bleibt im gleichen Atemzug, dass diese Neuerungen einhergehen mit anderen in diesem Bereich vom Rathaus ausgeführten Erneuerungen in der Licht- und Wasserinstallation.

“Bei der Bereitstellung dieses neuen Mobiliars beabsichtigen wir neben der Förderung des Markt-Renommees bei den Besuchern und Kreuzfahrttouristen, die nicht selten sonntags den Hafenbereich bevölkern, auch die Optimierung der Voraussetzungen für die etwa 100 Standbetreiber und deren Verkaufsstände. Auf jeden Fall”, deutete Matos weiterhin an, “erreichen wir mit dieser Massnahme eine Belebung der Stadtkonjunktur an Sonntagen”. Nicht ausschliessen möchte man darüber hinaus, dass bei einem entsprechenden Interesse der Händler und einer konfliktfreien Kompatibilität zu anderen städtischen Veranstaltungen, die “monatliche Sonntagsfrequenz” des Marktes durchaus noch erhöht werden könne. Auf der anderen Seite kónne dieses Mobiliar sogar auch auf anderen Veranstaltungen nützlich sein, liess es den ideenreichen Stadtverordneten hinsichtlich strapazierter Kassen an krisenfreundliche Synergieeffekte denken.

Frei nach dem holistischen Sinnspruch “Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile” wirbt an dieser Stelle der “Hauptstadt-Korrespondent” für einen sonntäglichen Frühstücksbummel durch diesen behaglichen “low-budget-Park” für kultivierte Schnäppchenjäger. Vielleicht wächst dann ja vor Ort die Erkenntnis, warum nun je ein Zeltschirm mit 2 Tischen ruhig auch schon mal 1.500 Euro kosten darf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Strand, von dem der Bürgermeister nichts weiß (5. Juni 2009)

Wie Ernst ist es mit dem Mammutprojekt „Stadtstrand“ wirklich?


 

Die Hauptstadt unserer schönen Insel, von der hier wieder die Rede sein soll, liegt direkt am Meer. Mit diesem, nennen wir es Privileg, ausgestattet, stellt man sich neben einem Hafen und dessen infrastrukturalen Einrichtungen auch einen Strand vor, mit einer Promenade und viel Platz zum Flanieren, Eisessen und Inlineskaten. So soll auch unsere Kapitaline eines schönen Tages aussehen. Denn dort, wo unserer Vorstellung nach, der nach Erfrischung suchende Besucher mit seinem Handtuch über der Schulter seinen Blick über einen feinen Sandstrand bis zur sanft anlandenden Brandung schweifen lässt, stehen bis heute Blechkarossen, eng an eng. Einem “Gerücht” zur Folge, dass genau hier schon Planungen existieren sollen, die unserem handtuchtragenden Strandläufer eben dieses Szenario ermöglichen würde, trägt man die Frage dem vor, der es wissen muss: dem Bürgermeister, denn der weiß alles, was in seiner Stadt passiert und was nicht. Oder zumindest fast alles. Denn auf die Frage, ob denn hier –und damit ist der Abschnitt vom Parkplatz bis ein ganzes Stück Richtung Ortsausgang gemeint- mal die Chance auf einen abendlichen Strandspaziergang bestünde, antwortet der Gemeindechef sinngemäß: „Ich weiß von nichts“. Nun ist diese Aussage zunächst wenig informativ, sie gibt höchstens Anlass zu Spekulationen, zu denen der „Hauptstadt-Korrespondent“ weder Zeit noch Lust hat. Vielmehr aussagekräftigist doch da das Statement der Zentralregierung, die durch ihre Umweltbehörde das “Gerücht” verbreiten ließ. Richtig investiert solle werden, und 30 Millionen dürfte es kosten, wenn die kalkulierte Bauzeit ausnahmsweise mal ernst genommen werden würde. Es hieß sogar, dass schon dieses Jahr damit angefangen werden solle. Ernüchternd dagegen die weiteren Ausführungen des Bürgermeisters Juan Felipe: „Das Einzige, was ich vom Strand weiß, ist, dass die Umweltbehörde eins ums andere Mal Analysen in Auftrag gab, sonst aber nichts“. Außer vielleicht, dass Felipe noch nach der vorletzten Gemeinderatssitzung mit dem Sprecher der Sozialisten und Senator Anselmo Pestana etwas länger blieb, um zu verabreden, gemeinsam nach Madrid zu fahren. Nicht um einzukaufen, sondern um mit der obersten Etage der Küstenbehörde über jenes “Gerücht” zu sprechen. Dabei blieb es allerdings, was dem Herr des Rathauses zu der Aussage hinreißen ließ, dass „dieses Treffen noch nicht zustande gekommen ist, weswegen einzig und allein die Umweltbehörde über die Belange des Strandes Bescheid weiß“. Von ihm aus sei die baldige Ausführung der Bauarbeiten sogar mit Priorität bedacht. Worauf aber könnte der Bürgervorsteher denn warten, bis er sich alle nötigen Informationen zu diesem “Gerücht” einholte? Gern wird der „Hauptstadt-Korrespondent“ ihm dieselbe Frage noch einmal stellen –zu einem späteren Zeitpunkt natürlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die zeitlose Ruhe auf dem Cafégestühl  (23. Mai 2009)

 

 

 

Während sich dieser Tage in der Inselhauptstadt die kapitalinen Gemüter auf einen heißen Sommer einstellen, suchen die Einwohner von Santa Cruz auf dem beschatteten Terrassengestühl nicht nur Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung, sondern auch vor allzu großer Hektik, die sich zu Beginn des Sommers –denn in diesem Zeitraum befindet sich die City, seitdem die heitere Bewölkung der letzten Monate sich der vielerorts gepriesenen kanarischen Sonne gefügt hat- stets in den engen Gassen und vor allem in der “Königsmeile”, der Calle Real, wie sie liebevoll von allen genannt wird, breit macht. Warum, das weiß keiner definitiv zu beantworten, aber ein jeder spürt eine gewisse latente Unruhe, die durch die Strassen und über die beschaulichen Plätze fegt. Allenfalls erfährt man auf Nachfrage im traditionellen “Parlique”, dem kurzen und einem zufälligen Zusammentreffen entnommenen “Gesprächsquickie”, dass die Ursache dieses leicht beschleunigten Alltagstrotts im Privaten zu suchen ist und keiner allgemeingültigen Gesetzmäßigkeit zu unterliegen scheint. So sieht sich beispielsweise so mancher durch die bevorstehenden monatelangen Schulferien und den damit zusammenhängenden Vorbereitungen in seiner Ruhe gestört oder ist gar in die -dieser Tage stattfindenden- Feierlichkeiten hinsichtlich des “Día de Canarias” derart eingebunden, dass an Nachmittagen selbst die sonst heilige Siesta ausfallen muss. Es ist –so vermutet der “Hauptstadtkorrespondent” in den blauen frühsommerlichen Hauptstadthimmel nach “investigativer” Recherche- ein temporärer Zeitschwund zu beobachten, dessen Motive vielseitig und –schichtig sind. Betrachtet man spaßeshalber diese Auslöser der so gar nicht typischen beschleunigten Lebensart in der Kapitaline vor den sozialökonomischen und politischen Hintergründen der Hauptstadt, beschleicht einem das Gefühl, das hier –im Kleinen- eine unmissverständliche Wechselwirkung zwischen der öffentlichen und der persönlichen Verfassung bestehen könnte. Eine nicht ganz so fiktive Hypothese, die sich der Überprüfung des “Hauptstadtkorrespondenten” –aus Zeitmangel- zu entziehen vermag.

 

 

 

 

 

12 Jahre 11 Monate 7 Tage

Der Inselpräsident gibt schweren Herzens sein Amt frei.

 

Was in letzter Zeit Anlass für Spekulationen in der Hauptstadt gab, wird in diesen Tagen in den Cafés und Patios der Kapitaline heftig diskutiert: nach langer Amtszeit entschied sich der “Inselchef”, José Luis Perestelo (Coalición Canaria), seinen Stuhl freizugeben und gab sein Ausscheiden aus der Inselverwaltung bekannt. „Komplex und schwierig“ sei die Entscheidung gewesen, aber er habe stets ein persönliches Credo vor Augen gehabt, das einem Politiker im öffentlichen Diskurs vordergründig gut zu Gesicht steht: die allgemeinen Interessen wären ihm den persönlichen immer ein Stück weit voraus gegangen. Es sei nämlich jetzt der Moment gekommen, dass „ein junges Team mit Elan die Arbeit weiterführt, die wir vor fast 13 Jahren begonnen haben“, so der Vorsitzende bei der Abschiedssitzung. Er gehe ruhigen Gewissens, jedoch sieht so mancher besorgt auf sein hinterlassenes Erbe: eine Höchstmarke an Arbeitslosigkeit und Verarmung, ein vernachlässigter Flächennutzungsplan, eine ungelöste Müllentsorgung und fehlende Perspektiven für den akademischen Nachwuchs sind die Argumente, an denen sich so manches Hauptstadtgespräch auf der Calle Real entzündet. Und nicht nur dort, denn der Vorsitzende der oppositionellen PSC, Manuel Marcos Pérez, spricht sogar von einer „groben Unvernunft“, der Insel gerade jetzt den Rücken zu kehren. Denn das bringt die neue Aufgabe des ehemaligen Volksschullehrers mit sich: Er wird –wie schon seit geraumer Zeit als Teilzeitjob- als Abgeordneter im Madrider Kongress Parteiinteressen vertreten gehen.

Ganz nebenbei sorgt Don José mit dem anstehenden Amtswechsel für eine Novität auf der Insel: Zum ersten Mal wird eine “Doña” die Zukunft der Insel maßgeblich bestimmen. Die Anwältin und jetzige Vizepräsidentin Guadalupe González Taño wird zeitweilig die großzügigen Räumlichkeiten des obersten Volksvertreters auf der Insel beziehen. Der “Hauptstadt-Korrespondent” sieht den Wechsel mit gemischten Gefühlen: zulange und damit schon fast ein “Gewohnheitsrecht” geworden war der vormittägliche Cortado in der La-Palma-Bar, bei dem es sich so schön zwischen den Zeilen des Präsidentengeplauders mit seinem Gefolge hören lies. Wo mag nur Doña Guadalupe ihren Café nehmen?

 

 

Sitz der Inselverwaltung in Santa Cruz de La Palma

Sitz der Inselverwaltung in Santa Cruz de La Palma

 

 

Submarine Wrackwelten gegen Touristenflaute

Ein Unterwasserpark-Projekt erhält Unterstützung aus der Landesregierung.

 

Manchmal kommen die Ideen ja von ganz allein, ohne geistiges Zutun sozusagen. So mag  es eines schönen Hauptstadtmorgens im Rathaus geschehen sein. Auslöser dieses Gedankenspiels war wohl dann das Versenken eines Schiffswracks, vor den marinen Toren der Hauptstadt. Genauer im Bezirk „Maldonado“, am nördlichen Stadtausgang, wo die Eigner ihr in die Jahre gekommenes Wrack versenkten, für das ihnen keine Verwendung mehr eingefallen war. Diese kam dann prompt direkt aus dem Gemeindehaus. Denn, so sagten sich vermutlich die Volksvertreter, wenn schon ein ruinöser Kahn über Wasser keinen typgerechten Nutzen mehr hat, soll ihm dieser dann zumindest unter der Wasseroberfläche angedeihen.

So sei es denn, dass -den Gemeindevertretern zum Wunsch- das submarine Trümmerschiff offenbar einer konkreten Zukunft entgegendümpelt. Spätestens aber seit dem offiziellen Besuch der Vizerätin für Tourismus auf dem kanarischen Archipel, Carmen Hernández Bento, ist dieses Projekt zu einem politischen Vorzeigeobjekt geworden. Und zwar besichtigte die Rätin unlängst nicht nur die Örtlichkeiten des potentiellen „Parque Subacuático“, sondern liess sich auch in die Details einweihen, die diesen Park zu einem umweltverträglichen Ort der aktiven Freizeitgestaltung werden lassen soll. Das Wrack werde nämlich ein künstliches Riff abgeben, in dem sich beispielsweise dem (touristischen) Freizeittaucher eine vielfältige Unterwasserwelt bieten soll.

Der Stadtverordnete für Sozialwesen und Sport, Juan José Cabrera Guelmes, wies in diesem Zusammenhang auf die exzellenten Voraussetzungen hin, die dieser Stadtbereich langfristig dem Sport- oder Tourismusbereich bieten würde. Im Bebauungsplan der Kapitaline sei dort sogar ein Hotel bzw. Kongresszentrum und ein Sporthafen vorgesehen. Das gefiel der Regierungsvertreterin so gut, dass sie breite finanzielle Mittel in Aussicht stellte, diesen „so idealen Bereich der Hauptstadt Santa Cruz einer nautischen Bestimmung zuzuführen, die auf einen Tourismus dieser Art ausgerichtet ist“ entsprechend herzurichten. Schon gab der hiesige Stadtrat umfangreiche Analysen in Auftrag, die Aufschluss über die Machbarkeit eines solchen Projekts geben sollen.

Der „Hauptstadt-Korrespondent“ rät dem Rat hierbei auch eine Namensänderung des Stadtbereichs zu erwägen, denn, aller Aberglauben zum Trotz, heisst es ja nicht umsonst „Nomen est Omen“ – verwiesen wird in unserem Fall auf den oben genannten Namen des städtischen Bezirks „Maldonado“ („schlecht gestiftet“). In diesem Sinne wünscht der „Hauptstadt-Korrespondent“ dem Projekt für Hobbytaucher traditionell „Tiefenrausch und Krakenbiss“.

 

 

Santa Cruz de La Palma ,Maldonado

Santa Cruz de La Palma ,Maldonado

Über den Dächern von Santa Cruz – die Plaza de Santo Domingo

Das Rathaus spendiert der Umgebung des schönen Platzes eine Renovierung.

Wer wirklich mal altkanarisches Altstadtflair erleben will, begibt sich in der Hauptstadt auf die oberhalb des kulturhistorischen Zentrums gelegene Plaza. Von hier lässt es sich vornehmlich ausgucken und ausruhen, denn wer von der „Königsmeile“ Calle O’Daly die steilen Treppenstufen zu diesem Stadtbereich emporsteigt, dem dürstet es nach visueller Belohnung und atmosphärischer Regeneration. Beides ist an diesem Ort, nahe der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Kirche Santo Domingo, die zum einstigen Kloster San Miguel de las Victorias gehörte, im Überfluss zu finden.

Nun erwägt das kapitaline Gemeindehaus eine umfassende Verschönerung der Zufahrtswege und –Straßen, denn diese erwecken teilweise den Anschein, noch von den Ureinwohnern und deren Widersachern betreten worden zu sein und sind mitunter in einem bedauernswerten Zustand. Rund eine Million Euro will der Bürgermeister dafür bereitstellen und damit der zweifellosen Attraktivität eines der wichtigsten kulturhistorischen Erbe der Stadt genüge tun. Das mancherorts noch existierende Kopfsteinpflaster soll neu verlegt und ganze Straßenabschnitte, wie die am Platz vorbeiführende Strasse Fernández Ferraz, an der sich auch die Theater- und Tanzschule befindet, mit neuem Belag ausgestattet werden. „Wir wollen eine vollständige Aufbereitung dieses Stadtbereichs, der sich zu einem der wichtigsten kulturellen Zentren von Santa Cruz mausert und dem Wunsch der Bürger und den Besuchern entsprechen, diesen Bereich adäquat zu gestalten“, heißt es denn auch aus der Gemeindestube. Diese Arbeiten sind Teil des Stadtprojektes „Programm zur Verschönerung der Hauptstadt“, das die Stadt „angenehmer und attraktiver“ machen soll, so die zuständige Inselrätin Alicia Garcia. Neben Pflege und Erhalt des städtischen Mobiliars, der Leuchtmittel, der Schlosserei- und Schreinerarbeiten soll dabei vor allem an die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern gedacht werden.

Der „Hauptstadt-Korrespondent“ freut sich dann auf eine Zeit nach dem sozialverträglichen Frühjahrsputz der Kapitaline und empfiehlt schon mal ein nachsichtiges Wohlwollen hinsichtlich der zeitlichen Dimensionen, die solch eine Frühlingsprojekt schon mal belegen kann. Die Aussicht auf eine Aussicht ungestörter und renovierter Natur vom Platze aus auf die Dächer aber lässt dann doch -nicht nur frühjahrsbedingte- Euphorie aufkommen.

Die Plaza de Santo Domingo

Die Plaza de Santo Domingo

Auf der Suche nach dem verlorenen Piratenverlies

Die Kapitale sammelt Daten über das einstige Kastell San Miguel.

Über der Inselhauptstadt schwebt gegenwärtig der Hauch von Seeräubergeschichte und Freibeuterlegende – so präsent scheint das Thema durch die vereinte Suche nach der verschwundenen Festungsanlage „San Miguel“.

Die Spur führt die Suchenden, in diesem Fall den Bürgermeister Juan Ramón Felipe höchst selbst und den Kasernenchef und Experte in Militärgeschichte Oberst José Antonio Ortigueira, in die Zeiten berühmter Seeräuber des ausgehenden 16. Jahrhunderts wie beispielsweise François „Holzbein“ le Clerc, der die Stadt gern ausraubte und brandschatzte. In Zuge dessen wurde der Bau der sagenumwobenen Verteidigungsanlage beschlossen und daraufhin infolge der Wiederherstellung urbanen Lebens fertiggestellt. Ihr ist es immerhin zu verdanken, dass der gefürchtete Übergriff des nicht minder legendären englischen Kapitäns Sir Francis Drake, der mit 30 Schiffen voll rumgeschwängerter Augenklappenträger anreiste, erfolgreich abgewehrt werden konnte. Ab diesem Datum machte jeder Piratenkapitän, dem sein Schiff lieb war, einen respektvollen Bogen um die Insel.

Jedoch bekam die Festung dann ein paar Jahrhunderte später die volle Breitseite der geschichtlichen Ironie zu spüren, der sie rein gar nichts entgegenzusetzen hatte. Denn in dem Maße, wie die Bastion den Angriffen der kanonenbestückten totenkopfbeflaggten Schiffe standhielt, zerbröselte sie geradezu unter dem politischen Druck, der Anfang des 20. Jahrhunderts auf sie lastete. Sie musste nämlich der -friedlichen- südlichen Stadterweiterung weichen.

Am Eingang des heutigen Hafens gelegen, fahndet man gegenwärtig im Gemeindehaus und vor Ort nach Resten der Anlage, die Aufschluss über die Freilegung ihrer baulichen Überreste oder gar einen möglichen Wiederaufbau geben könnten. Letzteres hätte naturgemäß eine umfangreiche städtebauliche Neugestaltung zur Folge, deren Sinn und Zweck erst wohl noch schön geredet werden müsste. Vermutet wird der genauere Standort des einstigen Bollwerks übrigens an der heutigen „Plaza de la Constitución“ am Fuße des historischen Zentrums der Stadt, nahe des „Glashauses“ für Touristeninformation der hiesigen Inselbehörde. Diese hätte wiederum kurze Wege zu dem, dem Stadtoberhaupt nach, „historischen Relikt, das eins der kulturhistorischen Hauptexponate von Santa Cruz hinsichtlich seiner touristischen Attraktivität“ darstellen würde.

Die ungestellte Frage, ob denn ein eventueller Wiederaufbau diese Bastion dann auch wieder ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt werden solle, dem des Schutzes vor seewärts einfallenden Eindringlingen, konnte ergo nicht beantwortet werden.

Der „Hauptstadt-Korrespondent“ vermutet jedoch, dass zuerst zu klären wäre, ob und inwieweit denn die „kreuzfahrenden Gäste“ all der festmachenden Schiffe unter diese Definition fallen würden.

 

Plaza de la Constitución

Plaza de la Constitución

„Footing am Rollfeld“ ist keine neue Sportdisziplin

Der Flughafen gibt sein neues Parkdeck freiDas sich das aktuelle Hauptstadtthema um den Flughafen dreht, bedeutet nicht etwa, dass sich in Santa Cruz nichts nennenswertes zugetragen hätte. Aber die fast historische Eröffnung neuer Parkräume am Flughafen verlangt geradezu nach einem Besuch dieser Anlagen und dann doch entsprechender Erwähnung. Man muss wissen, das Parkplätze auf der Insel Mangelware sind und La Palma eine beachtliche Zahl an Fahrzeugen pro Familieneinheit aufweist. Diese wollen oder müssen, wie hier am Flughafen, abgeparkt werden. Durch den hundertmillionenschweren Ausbau der Anlage, der in den kommenden Jahren eine Abfertigung von mehr als 2 Millionen Passagiere möglich machen soll, sind 45.000 m2 für Stellplätze auf zwei Ebenen bebaut worden. Dafür wurden 15 Millionen Euro aufgewendet und Raum für 1276 Autos geschaffen; knapp 12.000 Euro pro Vehikel. Nun ist in einer ersten Phase die Ebene S-2 den Besuchern übergeben worden, mit zunächst 675 Stellplätzen plus 10 für Behinderte, die sich nahe der Aufzüge befinden. In Anspruch genommen werden können diese Stellplätze täglich von 6.30 bis 22.30 Uhr. Die Parkgebühr hält sich dabei in Grenzen: 0,01 € die Minute und in den ersten 30 Minuten gar kostenlos. Eine Tagesmiete schlägt mit 7,20 Euro zu Buche – im Vergleich kostengünstig. Die Zufahrt ist für aus Santa Cruz kommende Autofahrer gleich am ersten Kreisverkehr. Nach dem Ziehen des Tickets und des elektronischen Ablesens des Kennzeichens, fährt der Besucher/Reisende, der ausreichenden Beschilderung folgend, möglichst ans Ende des dieser Tage noch übersichtlich beparkten Decks und kann nun den nahen Lift nehmen, um die zwei Stockwerke hoch zu ebener Erde zu bewältigen. Streikt dieser oder ist er durch Andrang belegt, steht dem Urlauber eine Rampe zur Verfügung – allerdings empfehlenswerter Weise nur für solche „guten Fußes“, denn der Weg auf der Rampe ist doch recht lang und es muss anschließend noch ein erhebliches Stück zum Terminal zurückgelegt werden. Diese Wegstrecke könnte so manchen Abreisenden eine unnötige schlechte letzte Erinnerung an die Insel mit auf den Weg geben. Für den ankommenden Besucher jedoch, der voller Elan schon am Flughafen mit seiner Inselerkundung beginnen möchte, ist der Weg durch die Baustelle bis hin zum „Meeting-Point“ der hiesigen Autoverleiher ja eventuell sogar ein erster willkommener Marsch nach stundenlangem Sitzen im Kabinengestühl. Letztere nämlich sind von der Betreiberfirma des Flughafens, AENA, höflich aber bestimmt aufgefordert worden, den Ankunftsbereich im Terminal zu räumen und ihre Kunden auf dem Parkdeck zu empfangen. Reichlich Unmut provoziert diese Handhabe, denn es ermöglicht lediglich den großen überregionalen Mietwagenfirmen, die Büros im Terminal anzumieten; die kleinen Inselbetriebe haben hier sprichwörtlich das Nachsehen. Auf dem Parkdeck dann, macht sich der ein oder andere Angestellte schon mal entsprechend Luft: sie fahren kreuz und quer durchs Gebäude und holen ihre Kunden dann per Auto vom Lift ab, um sie zu ihrem Mietwagen zu fahren. Eine schnelle Abwicklung ist dann erwünscht; vorher wird dem Urlauber aber noch geraten, ab Abgabe und Parken des Fahrzeugs das Ticket unbedingt gut leserlich zu platzieren. Es würden sonst Kosten in Höhe von mindestens einer Tagesmiete verursacht werden, die der Mieter zu tragen hätte.

Hier ist ein Stück Ursprünglichkeit der Insel verloren gegangen, und der „Hauptstadt-Korrespondent“ erinnert sich dabei gern an die Tage, als man noch zum Zeitungskaufen und vor allem –lesen zum Flughafen fuhr – der Ruhe wegen.

Neues Parkdeck am Flughafen von La Palma


Im Hafen tut sich was

Santa Cruz de La Palma wird immer öfter von Seeseite besucht.

Hafenstädte haben etwas gemeinsam. Sie liegen oft am Meer und noch öfter können sie von Seeschiffen angelaufen werden. Dies geschieht und klappt in der Hafenstadt Santa Cruz de La Palma genauso gut, wie in Addis Abeba oder Zeebrugge. Jedoch kommt dem Hauptstadthafen noch eine weitere Komponente zugute, die ihn für Kapitäne und Passagiere gleichermaßen besonders attraktiv macht: seine geografische und nun auch klimatische Lage. Denn erstere hat ihn schon in der Geschichte zu einem Hafen in führender Position gemacht. Zu Zeiten des Amerikahandels im 17. Jhd. war Santa Cruz de La Palma immerhin der drittgrößte Hafen des spanischen Weltreiches. Dieser Zeitabschnitt ist jedoch bekanntlich vorbei, ebenso der von hier ausgehende Handel mit Übersee. Heutzutage gewinnt die Anlegestelle eben wegen seines Klimas und hervorragender Stadtanbindung sowie in ganz anderer Kategorie wieder an Gewichtung: in der Kreuzschifffahrt. Denn Jahr für Jahr laufen mehr solcher Ozeanriesen unseren Hafen an. Nun hat sich für das laufende Jahr eine neue Gesellschaft dazu entschlossen, mit der „Costa Marina“ der kapitalinen Hafenstadt einen Besuch abzustatten. Teilen wird sie sich den Steg mit der „Aida Luna“ (16. September) müssen, der „Columbia“ (8. November) oder der „Queen Victoria“ (18. Oktober), die ebenfalls der Hauptstadt ihr Kommen zugesagt haben. Damit wird die Zahl der La Palma anlaufenden Kreuzfahrer erneut die der vorangegangenen Jahre übertreffen. Während 2007 knapp 141.000 Schiffsreisende über die Hafenanlage spazierten, waren es im letzten Jahr schon 2.000 zusätzlich und werden in diesem Jahr –einer gutgelaunten Prognose der Hafenbehörde zufolge- einen neuen Superlativ ansteuern.

Ohne Zweifel ist hier eine touristische Tendenz zu erkennen, die gegenüber der sonst eher schwierigen Situation hinsichtlich der „anderen Hafenanlagen“, die des Flughafens, mehr als ein „Trostpflaster“ sein kann. Denn dort sind die Passagierzahlen aus den üblichen Herkunftsländern –entgegen einer Jahre zurückliegenden Vorhersage- rückläufig. Schon wurde von den jeweiligen Hafenbehörden auf Teneriffa und Gran Canaria eine Studie in Auftrag gegeben, die Aufschluss über Möglichkeiten einer Verbesserung des Service und damit auch der Attraktivität der anzulaufenden Hafenstädte für die maritimen Besucher bedeute. In der Schifffahrt sei man auf „Zack“, so wohl die Meinung der zuständigen Hafenautoritäten -trotz der im Vergleich eher behäbigen Art des Reisens. Der „Hauptstadt-Korrespondent“ schließt sich der Frage an, ob denn dann auch –gerade in Krisenzeiten- eine billige Charterverbindung zu deutschen Hafenstädten wie Hamburg oder gar Emden ohne Zwischenstopp in Zukunft kein Problem mehr darstellen wird.

Der Hauptstadt weißes Kleid

El Día de Los Indianos – Grosse Fiesta und keine Siesta

Einen Grund zum Feiern braucht der Hauptstädter eigentlich nicht, denn Anlässe gibt es hier mehr als Pflastersteine auf der historischen Meile O’Daly –scherzt gerne der Bewohner von Santa Cruz de La Palma. Allen Krisen zum Trotz rüstet er sich daher auch dieser Tage wieder mit der nötigen Grundausstattung aus -um im Zuge des „Carnavals“- das große Fest des Jahres zu begehen, den „Día de Los Indianos“ am Rosenmontag, der dieses Jahr auf den 23. Februar fällt. Und dazu zählt der weiße Anzug mit Hut genauso wie die Talkum-Dose. Schon Tage vorher und auch noch Tage nach der 24-Stunden-Fiesta ist dieser Gedenktag das Gesprächsthema Nummer 1 auf dem Gestühl der Cafés oder den Parkbänken. Es wird an diesem Tag nämlich den heimkehrenden Inselbewohnern gedacht, die um 1900 der Not wegen auszogen, um in der Karibik und auf Cuba ihr Glück zu suchen und teilweise auch zu finden. Die Landung dieser nunmehr feinen Leute mit ihren Kindern auf der Insel soll an diesem Tag karikiert und parodiert werden und findet jedes Jahr Tausende von Anhängern, die diese Tradition mit Leben erfüllen und die Hauptstadt in ein Menschenmeer verwandeln. Am späten Vormittag treffen sich die „Heimkehrer“ am Rathaus zum Umtrunk und auf der Plaza zum Tanz zu kubanischen Rhythmen. Dabei ist Stil die Etikette. Anschließend geht es beispielsweise in möglichst großer Runde zu einem traditionellen Mittagessen, das gern üppig und feuchtfröhlich ausfallen darf. Der große Umzug dann, beginnt am „Club Náutico“ an der bezeichnender Weise benannten „Avenida de Los Indianos“ und bewegt sich durch das kulturhistorische Zentrum hindurch bis zum „Plaza de Alameda“. Hier findet auch die Austeilung der zahllosen Puderdosen statt, um der Stadt ihr weißes Kostüm und allen anderen das Puderfein zu verabreichen. Das geht natürlich alles nur im Schneckentempo, denn zwischendurch ist man immer wieder damit beschäftigt, sich Nachschub zu besorgen, um auch den letzten Gleichgesinnten in eine weiße Wolke zu hüllen. Wer gut organisiert ist, hat zudem noch einen kleinen Lederkoffer dabei, der die klassischen Getränke bereithält. Die anderen müssen sich an die Theken der Kioske drängeln, um ihren „Cuba Libre“ oder „Mojito“ zu bekommen. Mitunter wird man dann auch gleich zu einem eingeladen. Am Plaza angekommen, ist es meist schon dunkel und die Fiesta in vollem Gange –bis weit in den nächsten Morgen hinein. Der „Hauptstadt-Korrespondent“ empfiehlt dieser Tage: Wer ausschweifende Feste mag, der schickt sich – wer eher die urbane Stille der Hauptstadt-Siesta sucht, der übe sich in vornehmer Geduld.


Der Zauber altehrwürdiger Architektur

Die Wiederbelebung der Finca „La Quinta Verde“Auf der „Isla Bonita“ gibt es mehr Mythen und Legenden als anderswo und selbstverständlich findet man diese auch in der Inselhauptstadt Santa Cruz. Dieser Tage rückt ein ganz besonderer mythischer Ort der Stadt ins Interesse der Öffentlichkeit, die Finca „La Quinta Verde“ im oberen Abschnitt an der Avenida El Puente. Es ranken sich viele Gerüchte um dieses Gebäude und eines hält sich bei den Hauptstädtern außergewöhnlich vital, das es dort „spuken“ würde. Jedenfalls entschieden sich das Rathaus und die Inselregierung nun dem ein Ende zu bereiten und planen eine Wiederbelebung dieser Immobilie, die nicht ganz zu Unrecht als kulturhistorische Sehenswürdigkeit „par excellence“ gehandelt wird. Das Anwesen zählt zu den 146 Gebäuden, die die wichtigsten architektonischen Beispiele kanarischer Baukunst im ländlichen Raum abgeben und belegt darüber hinaus in den Wertungen für die historische, kulturelle und literarische Bedeutung des Archipels vordere Plätze. Seinerzeit von der Aristokratie im 16. Jhd. zum Zwecke der Erholung und Inspiration erbaut, besteht es aus zwei durch ein Patio voneinander getrennten Flügeln, die, reichhaltig verziert, heute Zeuge der Bedürfnisse ihrer Bewohner und deren feierlichen Anlässe ist. Nach jahrelangem Schönheitsschlaf soll es gegenwärtig zu neuem Leben erweckt werden und den Inselbewohnern und –gästen jetzt eine informative und erholsame Stätte sein, die durch ihre unmittelbare Nähe zum Stadtzentrum auch dem urbanen Flaneur ein attraktiver Bereich für eine Verschnaufpause sein kann. In den Gebäuden soll das Bedürfnis nach Information zu Umweltfragen bedient werden und außerdem Raum für Ausstellungen und Fortbildung sein. Das 9000 m2 große Grundstück wiederum bietet Platz für einen Palmenhain, verschiedene Gemüsebeete und Spazierwege, die dem Besucher den einzigartigen Charme dieser Lokalität erleben lassen sollen. Der Inselpräsident, José Luis Perestelo, spricht in diesem Zusammenhang gern von „einem Themenpark mit informativen Schautafeln verknüpft mit moderner Technologie, um den Besucher im sensiblen Umgang mit seiner Umwelt zu bilden“. Dem „Hauptstadt-Korrespondenten“ liegen unbestätigte Gerüchte vor, nach denen „das politische Haupt“ der Insel eine rasche Eröffnung im Auge haben soll, da sich zum Einen die Zeit nicht aufhalten und sich die Mega-Festivität „La Bajada de la Virgen 2010“ nur schlechterdings verschieben lässt.Vielleicht wird ja mit diesem Projekt ein Traum seines größten Protegés wahr, der Multikünstler Luis Morera, der sich stets für den Erhalt dieser Finca einsetzte und den Ort über die Inselufer hinaus mit seiner Musikcombo „Taburiente“ und dem Lied „A la quinta verde“ populär werden ließ.

La Quinta Verde in Santa Cruz


Gegen die Zeit gebaut

Der Mehrzweck-Pavillon der Hauptstadt soll nach dreizehn Jahren nun doch fertig werden. Wieder einmal kommt ein La-Palma-Superlativ direkt aus der Hauptstadt. Jedoch mit einem negativen Vorzeichen, wenn man Quantitäten mit Zeiträume vergleichen mag. Diese beiden Variablen lassen sich dieser Tage mit ganz konkreten Daten füllen: Der Bau des Mehrzweck-Pavillons auf der einen und 13 Jahre Bauzeit auf der anderen Seite, lassen Rückschlüsse auf die Baugeschwindigkeit hinsichtlich dieser notwendigen Immobilie für die Hauptstadt zu. Da müssen schon die illustren Feierlichkeiten zur „la Bajada de la Virgen 2010“ her, um das Bautempo zu steigern. Denn man wolle der attraktiven Veranstaltung „Tanz der Zwerge“ endlich einen angemessenen Rahmen geben, so heißt es im Rathaus. Nach bisher 13 Jahren Bauzeit und 6 Millionen Euro Baugeld werde es nun Ernst mit dem Bedürfnis nach einem Ort für Großveranstaltungen jeder Art. Nun werde es noch 2 Millionen Euro Baugeld „dauern“ bis das 3000 m2 große und 4500 Plätze fassende Bauwerk der Stadt bzw. den Bürgern zur Verfügung gestellt werden könne. Nach einem Besuch des Geländes sprach der Bürgermeister von Santa Cruz de La Palma, Juan Ramón Felipe, davon, dass man „innerhalb der Anlagen das Gefühl hat, in einer großen Kathedrale zu stehen, in der die Stadt in Zukunft viele Veranstaltungen zelebrieren können wird, die zur Zeit wegen fehlender Infrastruktur nicht möglich sind. Der «Tanz der Zwerge» und das «Menuett» werden hier einen ihrer Bedeutung nach würdevollen Ort haben, an deren Aufführungen die Hauptstädter, Inselbewohner und Gäste viel Freude haben werden“. Auf Nachfrage hin bestätigte der Gemeindechef die Vermutung, dass in einer –im Vergleich zur bisherigen- Bauzeit, die auf ein Jahr begrenzt ist, keine großen Baufortschritte zu erzielen sein mögen. „Es stehen keine größeren Arbeiten mehr an, sondern es geht vielmehr um das Beenden schon begonnener Bauphasen, wie zum Beispiel dem Legen des Bodenbelags und der Installation von Sitzgelegenheiten. Letztere könnte man, wenn finanzielle Mittel fehlen würden, mit Zement modellieren. Wenn alles gut läuft, werden wir schon vor Ende diesen Jahres unseren Pavillon einweihen können“. An dieser Stelle rät der „Hauptstadt-Korrespondent“ dringend zum Kauf von Eintrittskarten mit Recht auf eine Sitzgelegenheit für den sehenswerten «Tanz der Zwerge», auch wenn am Ende nur rustikal oder gar nicht gesessen werden kann. Vielleicht regelt bzw. ermöglicht ja -wie anderswo- auch hier die Nachfrage das (Sitzplatz-) Angebot.Pabellón Multiuso in Santa Cruz


Die Entdeckung der langsamen Städtlichkeit

Eine vortreffliche Idee lässt sich dieser Tage aus dem Rathaus der Inselhauptstadt vermelden: Der „Stadtrat für Stadtgut und Tourismus“, Alejandro Hernández, prüft derzeit eine mögliche Teilnahme von Santa Cruz an der interessanten Städte-Vereinigung „Slow Cities“. Dieser weltweite Zusammenschluss von Städten unter 50000 Einwohnern setzt sich für eine Reihe von Tugenden ein, die zu einem „lebenswerten“ Aufenthalt in den Städten (zurück-)führen sollen. Ziel dieses Städte-Konzepts ist es, „möglichst nah mit den Bürgern einer Stadt ein neues Bewusstsein und eine neue Wertschätzung zu prägen“. So heißt es denn im Rathaus, dass die Inselhauptstadt bereits über nötige Voraussetzungen zur Teilnahme verfüge, wie beispielsweise ein buntes kulturelles Angebot und eine ethnographische Vielfalt. Besonders die Maxime des Projekts „dem schnellen städtischen Leben eine gewisse Langsamkeit anzubieten, die eine Verbesserung der Lebensqualität beinhalte“, gefiel dem Stadtrat und lässt ihn von der ersten Ortschaft auf dem kanarischen Archipel träumen, die dieses Prädikat für sich beanspruchen dürfte. Jedoch wäre es noch immer ein langer Weg zu einem potentiellen Beitrittsgespräch, denn die Organisatoren fordern eine Serie an Verpflichtungen, die über eine verantwortungsvolle Umweltpolitik, eine qualitätsorientierte Gastronomie und die Wahrung und Stärkung einer Regionalkultur auf der Grundlage der Agenda 21 führen.

Natürlich werde mit der Teilnahme auch auf eine potentielle touristische Vermarktung der Stadt geschielt und insbesondere der Weltenbummler, Individual-Reisende und Kreuzfahrtpassagier ins Visier genommen. Man wolle diesen Interessengruppen ein „Slow-City-Bewusstsein und damit die Erhaltung der Vielfalt und eine eigene Identität im Zeitalter der Globalisierung und Vermassung“ anbieten. Das solch ein Markt bestünde, hätte die Nachfrage auf den einschlägigen Messen bewiesen und ist seit langem Inselrealität.

Dieses ambitionierte Projekt hat einen recht simplen Ursprung: ein Spaghetti-Essen von Gourmets und ihr Aufruf zur „Rettung regionaler Küchentraditionen“ anlässlich der Eröffnung einer McDonald Filiale an der spanischen Treppe in Rom führte zur Gründung von „Slow Food“. Diese mittlerweile internationale Gruppierung verfolgt die Suche nach Lebensqualität am Geschmack und der Qualität der Lebensmittel. Zur Gründung von „Slow Cities“ war es dann nur noch ein kurzer Weg.

Die lobenswerte Initiative des Stadtrats lässt auf ein umweltverträgliches Bewusstsein schließen und auf politische Kooperationen hoffen.

SEÑOR DIAZ UNTERM TEPPICH

Er stieg, er fiel, er starb. Nun steht er auf dem Platz, an dem es geschah, und schaut ins Ungewisse. Oder vielleicht in unsre Gewissen?

Vor 145 Jahren wurde „Señor Díaz“, wie man ihn nannte, auf dem Friedhof von Santa Cruz beigesetzt. Seitdem gab es immer wieder Versuche, die sterblichen Überreste des beliebten Bürger-Pastors, Manuel Díaz Hernández, dahin zurück zu führen, wo er sechzig Jahre lang wirkte und wohnte: In die Kirche El Salvador. Das glückte Ende August dieses Jahres. In einer Urne und unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, begleitet von weltlichen und kirchlichen Würdenträgern, Schritt für Schritt vía San Telmo und schließlich über die Calle Real zur Plaza España. Und dort zur allerletzten Ruhe: „Los restos fueron enterrados finalmente en el antepresbiterio, donde ya descansan para siempre.“ Aha: „Die Reste… im Vorpresbyterium, wo er für immer…“

Aber wo ist die Urne denn nun? Mitte September war im Halbdunkel der Kirchenschiffe, in dem Prachtbau am schönsten Platz der Hauptstadt, keine Tafel, keine Vitrine oder sonst ein Hinweis auf Señor Díaz zu finden. Auch im Altarbereich keine Spur. Dafür Geraschel in der Sakristei und so fragten wir einfach dort nach seinem Verbleib.

Die Antwort: Er liegt unter dem dicken Teppich. Ohne viel Umstände hob der befragte Kirchenmann die Bänke an, bat um etwas Mithilfe, und so rollten wir den schweren roten Teppich mühsam bis zur Hälfte auf und dann lupfte er einen darunter liegenden Läufer und wir erspähten die Ecke einer beschrifteten Marmorplatte. Die soll dort bleiben. Der Teppich aber kommt weg. „Wann?“ – „Irgendwann nächste Woche.“

Wie der liberale Geistliche gewirkt haben mag, kann man auf der Plaza sehen, wo sein Denkmal 30 Jahre nach seinem Tod errichtet wurde. Manuel Díaz war freisinnig zu einer Zeit, als das leicht einmal eine Verbannung nach sich ziehen konnte (was es auch tat). Er setzte sich für Bürgerrechte, für Verbesserung des Schulunterrichts und für sozialpolitische Themen ein. Dafür wurde er von den Wenigen gehasst und den Vielen geliebt. Aber nicht seine politischen Fehltritte kosteten ihn das Leben, sondern ein Sturz auf seiner eigenen Kirchentreppe. Die liegt – wie er selbst – nun in seinem Rücken, sein weltgewandter Blick aber geht zum Rathaus. Zu den Stufen dort – vielleicht, um zu schauen, ob die ein- und ausgehenden Politiker von aufrechter Gesinnung sind. Auch auf dieser Treppe sind Fehltritte immerhin möglich…..

Der „Hauptstadt-Korrespondent“ wird aber zunächst einmal den Teppich im Auge behalten.

Lange Strasse – Kurzer Weg

Die Calle Real ist seit Jahrhunderten die Hauptgeschäftsstrasse von Santa Cruz. Nicht nur, weil sich Laden an Laden reiht, sondern weil man im Laufe eines Vormittags so gut wie jeden treffen kann, der etwas mit wichtigen Geschäften zu tun hat oder sonst wie als Entscheidungsträger gilt. Davon konnten sich Kaufleute aus aller Welt immer wieder mit Erstaunen überzeugen. Drahtlose Kommunikation, die ein Kontor fast überflüssig macht, den kleinen Kaffee aber um so notwendiger.

Der Inselpräsident zeigt erstaunlich früh in der Bar gegenüber der Casa Salazar. Häufig auch in Gegenwart seines Kulturministers. Und gerne in weiblicher Begleitung.

Der kurze Dienstweg wird dadurch manchmal zeitlich sehr lang. Je mehr Leute man kennt, desto länger. Das ist für viele Einheimische noch heute so. Auf einem Seminar wurde kürzlich die Frage ins Auditorium geworfen, welche wohl „die längste Strasse der Welt sei.“ Worauf eine rüstige Gasthörerin sinngemäß zur Antwort gab: „Die Calle Real ist die Längste; denn wenn ich am Morgen schnell zur Apotheke ans Ende der Calle Real muss, bin ich nicht vor Mittag wieder zu Hause.“

Der Unterschied zwischen den Tüten- und Taschenträgerinnen und den Entscheidungsträgern ist der, dass die Ersteren noch wissen was gut ist und immer gut war: das direkte Gespräch. Während Politiker und Geschäftsleute heute gerne die halbe Zeit damit vertun, einander den Rücken zuzuwenden, um mit irgendwelchen Dritten oder Vierten irgendwo anders in der Welt digital zu kommunizieren. Für den flanierenden oder kaffeetrinkenden Besucher der Stadt sind aber beide Versionen unterhaltsame Schauspiele.

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