Unabhängig vom Gewicht der Gepäckstücke schlägt ein zweiter Koffer mit 60 Euro zu Buche.
Die spanische Fluglinie Iberia begann am vergangenen 1. März mit einer Kostenerhebung für ein weiteres Gepäckstück pro Passagier in der Touristenklasse. Dabei blieb das zulässige Gewicht des Gepäcks pro Passagier mit 23 Kilogramm unangetastet. Teuer wird es, wenn der Fluggast die gleiche Menge Gepäck auf zwei Koffer verteilen will; denn dann kostet der zweite Koffer mindestens 50 Euro (wenn über das Internet beim „auto check-in online“ gebucht wurde), wenn nicht sogar 60 Euro zusätzlich, wenn diese Gebühr am Abflughafen entrichtet werden muss.
Interessant auch die Tatsache, dass bei Flügen in der „Business-Class“ nunmehr auch tatsächlich die doppelte Menge an Gepäck mitgeführt werden kann: satte 46 Kilogramm pro Passagier, auf zwei Gepäckstücke verteilt. Zukünftig kann bei Langstreckenflügen in der Touristenklasse nun nur ein einziges Gepäckstück anstelle von zweien frei aufgegeben werden. Ist der Fluggast jedoch Inhaber einer Iberia-Plus-Karte, kann neben anderen Annehmlichkeiten, ganz ohne Sicht auf den bezogenen Flugpreistarif, gern ein weiterer Koffer aufgegeben werden; selbstverständlich ohne dem Fluggast zusätzliche Kosten in Rechnung zu stellen.
Von dieser neuen Regelung ist bisher weder das Handgepäck betroffen, noch alle Passagiere, die vor dem 1. März gebucht hatten.
Verbreitete Aufregung
Es scheint widersprüchlich, dass Fluggesellschaften wie Iberia oder auch Spanair und Air Europa (die diese Regelung ab April einführen werden) auf die angekündigte Senkung der Landegebühren mit einer Preissteigerung reagieren, wo doch dann eher eine Preisermäßigung bei den Flugtickets zu erwarten wäre. Zu guter Letzt ist die neue Regelung wohl doch nichts anderes, als eine verdeckte Preiserhöhung der Flugtickets, die die Verluste der Gesellschaften auf einfache Art und Weise kompensieren sollen: den Passagieren mehr für die Beförderung abzuverlangen, bei gleichbleibenden Service oder gar den Abbau an Arbeitsplätzen im Bereich der Abfertigung. Weiterhin ist die Verantwortung der Fluggesellschaften für die Umwelt nicht gerade gering und nimmt sie immer stärker in die Pflicht, ihre gesamten Aktivitäten kontinuierlich zu überprüfen bzw. hinsichtlich einer sauberen Umwelt zu investieren; dies aber eben nicht über die Gemeinkosten der Benutzer. Letzteres ist eher ein Verhalten der Billigflieger, und gerade zu denen zählt Iberia sicher nicht.
Betroffen von dieser Regelung sind die Fluggäste in der Touristenklasse (vergessen wir dabei nicht, dass gerade Spanien ein touristisches Reiseziel ist). Viele der Besucher reisen nach Spanien mit den so genannten Billigtickets, deren Preise oft unter denen eines zu befördernden zweiten Koffers liegen; zumindest ist dies auf den „Nachbarinseln“ der Fall. Auf La Palma lässt diese Aufregung keine Wahl zu, da Alternativen fehlen, aber doch ist zum Einen der Tourismus-Markt geschädigt und zum Anderen sind dies auch die Studenten, die in den Ferien auf ihrer Heimreise nach La Palma mit nur einem Koffer auskommen müssen, da sie sonst leicht – bei Mitnahme eines zweiten Gepäckstücks – 120 Euro für Hin- und Rück- flug mehr bezahlen müssten. Hauptgeschädigte aber sind die Arbeitnehmer, die das Flugzeug als schnelles Transportmittel wählen (müssen) und zum Teil Kataloge und Musterbücher mitführen. Nicht zuletzt sind natürlich die Inselbewohner betroffen, die sich regelrecht bestraft fühlen, hier geboren zu sein und diese Benachteiligungen hinnehmen zu müssen.
Kanarische Diskriminierung
Auf den Kanarischen Inseln hat es zu einer Verurteilung dieser diskriminierenden Regelung nicht lange gedauert, da sie zum Einen die weniger Bemittelten betrifft (die der Touristenklasse) und im Besonderen, die ohnehin schon aus ihrer geografischen Situation heraus benachteiligt sind. Auf dem Archipel gehört die Nutzung der Flugverbindungen zu den Grundbedürfnissen, da dieses Transportmittel praktisch un- verzichtbar ist, während auf dem Spanischen Festland die Möglichkeiten eines Ortswechsels vielseitiger und billiger sind. Forderungen, die Bewohner der Inselgruppe mit Ausnahmeregelungen zu bedenken, werden hier legitimer Weise laut.
Aufgrund der vielen Einwände ließ sich die Fluggesellschaft kürzlich tatsächlich auf eine Berichtigung ihrer Regelungen ein: die Kosten bei Übergepäck werden auf den Inseln auf 15 Euro beim ersten Gepäckstück herabgesenkt (von 23 bis 32 kg). Die Mehrkosten von 60 Euro bei einem zweiten Koffer bleiben allerdings auch für die Residenten auf dem Archipel gültig. Soweit reicht dann das Zugeständnis der Spanischen Fluggesellschaft bezüglich der besonderen Lage auf den Inseln dann doch nicht.