Wie scheinheilig ist der Verzicht der Geschäftstreibenden?
Die Tage der Einwegtüten aus Plastik in Spanien sind gezählt. So schreibt es der Nationale Plan für Abfallbeseitigung vor, der den Gebrauch von Plastiktüten bis 2010 um 50% senken und anschliessend progressiv verbieten will. Wie man in manchen TV-Spots sehen kann, haben schon einige Produzenten der Plastiktüten damit begonnen, ihren Ausstoß zu verringern. Dieses Maßnahme wird außerdem von einer “Tütengebühr” begleitet werden, um dem Konsumenten dazu zu bewegen, nach Alternativen zu suchen und um den Gesamtverbrauch von 70 Millionen Plastiktüten pro Monat in Spanien progressiv zurückzufahren.
Derzeit findet sich diese Verpackung in großer Zahl überall. Was aber wird geschehen, wenn dafür bezahlt werden muss? Ist diese Maßnahme die Lösung des Problems? Vielleicht müsste man sich stärker auf die Belange des Konsumenten konzentrieren, da er in diesem Prozeß maßgeblich beteiligt ist. Es ist sicher richtig, die Gewohnheiten an der Kasse zu hinterfragen und zu ändern, um so den Gebrauch von Plastiktüten freiwillig einzuschränken bzw. die Tüten mehrmals zu verwenden. Bestenfalls sind diese Tragehilfen dann aber bereits aus Stoff, Papier oder ähnlich abbaubaren Materialien. So tritt eine Alternative in das Bewußtsein des Konsumenten, den Einkauf auch anders nach Hause transportieren zu können. Wäre es in diesem Zusammenhang nicht sinnvoller, den mehrmaligen Gebrauch dieser Tüten zu bewerben? Denn letzten Endes werden wir angesichts eines Verbotes dann wieder für unseren Hausabfall die schwarzen Mülltüten kaufen müssen, die ja auch aus Plastik sind.
Ökologischer Beitrag
Spanien ist der größte Produzent von Einwegtüten und ihr drittgrößter Konsument. Jeder Bewohner verbraucht 238 Tüten pro Jahr. Jede Tüte gibt bei ihrer Herstellung ca. 4 gr CO2 in die Atmosphäre ab, was eine Grössenordnung von 0,1% der nationalen Verschmutzung bedeutet. Darüber hinaus dauert der Abbau einer solchen Tüte in der Natur rund 100 Jahre; denn nur 10% aller Tüten wird auch in die entsprechenden gelben Sammelcontainer zum Recyclen gegeben. Immerhin werden 65% als Mülltüte weiter verwendet aber danach bleiben die Tüten auf den Mülldeponien oder -was viel schlimmer ist- an den Küsten (20% der Küstenabfälle sind Plastiktüten) liegen.
In anderen Ländern
Die öffentlichen Verwaltungen stehen mit dem Rücken an der Wand, da sie die Maßnahmen zur Müllverringerung den Händlern und den Konsumenten schmackhaft machen muss. Gerade der letztgenannten Gruppe wird es schwerfallen, für etwas bezahlen zu müssen, was seit jeher kostenlos war. Dabei ist es im europäischen Ausland durchaus üblich, für die Tüten zu bezahlen. Beispielsweise zwang schon 2002 Irland den Konsumenten eine Gebühr von 0,20 Euros auf, was den Gebrauch um 70% reduzieren ließ. Von diesem Erfolg animiert, griffen diese Idee dann auch im Anschluß viele Städte in Großbritannien auf. In Deutschland, Schweden und Belgien zahlen die Verbraucher ebenfalls für ihre Einkaufstüte. Vorreiter dieser Maßnahme war allerdings die USA, die diese Idee entwickelte und als erstes in San Francisco realisierte. Andere Länder, wie China beispielsweise, sind sogar noch strenger: Die Regierung hat den Geschäftsbetreibern vor einem Jahr verboten, die Plastiktüten in Umlauf zu bringen.

Plastiktüten beim Einkauf