Verfasst von: lapalmacast | 16. Mai 2009

Preis für die beste Werbelüge

Die Goldene Himbeere, im amerikanischen Original „Golden Raspberry Award“ (kurz „Razzie Award“) ist ein Filmpreis, entworfen als eine Art Gegen-Oscar, der seit 1981 als Negativpreis in verschiedenen Kategorien für die jeweils schlechteste Leistung des Jahres traditionell am Abend vor der Oscar-Verleihung vergeben wird. In unserem Fall „the Razzie Award goes“ an die Kategorie Lebensmittelindustrie oder genauer noch an deren Praktiken, den Verbraucher durch ihre Werbeversprechungen hinters Licht zu führen. 

In diesem Kontext hat die Organisation Foodwatch, eine privatrechtliche Vereinigung mit Sitz in Berlin, die sich mit den Rechten von Verbrauchern und der Qualität von Lebensmitteln auseinandersetzt, dieses Jahr ihre Auszeichnung „Goldener Windbeutel“ an den besten Etikettenschwindler vergeben. Dabei stützt sich Foodwatch auf eine im Internet initiierte Abstimmung, bei der 35.000 Wähler darüber entscheiden konnten, wer von den vorgeschlagenen Anbietern die gelungenste Mogelpackung auf den Markt bringt.

 

Kritisch sein

In der heutigen Zeit, in der das Bewusstsein über eine gesunde Ernährung stetig wächst und die Qualität der angebotenen Lebensmittel dagegen kontinuierlich sinkt, ist eine gewisse Skepsis gegenüber den Werbeversprechungen der Anbieter von Lebensmitteln wichtiger denn je. Die Nahrungswächter aus Berlin analysieren und untersuchen verdächtige Produkte, um Klarheit über die tatsächlichen Zusammensetzungen der Nahrungsmittel zu erhalten und vergleichen anschliessend ihre Ergebnisse mit den Verheissungen der jeweiligen Produktvermarktung. Das Fazit aus dieser Gegenüberstellung wird dann veröffentlicht, um dem Verbraucher im kritischen Moment des Einkaufs von Lebensmitteln ein Instrument an die Hand zu geben, um überhaupt beurteilen zu können, was denn da in den Einkaufswagen gelegt wird – und was lieber nicht. Der Blick auf die Etiketten lohnt sich also immer und beim direkten Vergleich mit Konkurrenzprodukten sollte dringend abgewogen werden, ob der Preis des ausgewählten Produktes dann noch gerechtfertigt ist. Denn nicht immer ist ein hoher Preis auch ein Garant für hohe Qualität. Auch dann nicht, wenn uns die Werbung das in farbenfroher Aufmachung glauben machen will.

 

 

Der „Gewinner“

Der erste Preis für den unverschämtesten Werbeschwindel geht an den Lebensmittelkonzern Danone, dank seines sehr erfolgreichen Produktes „Actimel“. Foodwatch prangert diesbezüglich die betrügerische Vermarktung des Erzeugnisses an und hebt in diesem Zusammenhang vor allem den Slogan „Actimel aktiviert deine Abwehrkräfte“ hervor. Der Meinung dieser Organisation nach, schütze Actimel keineswegs vor Krankheiten und stärke nur in sehr geringer Dosis das Immunsystem. Jeder handelsübliche Jogurt sei hier wirkungsvoller. Dabei sei der Preis für die Packung Actimel bis zu 4 mal höher als der eines Jogurts -und das obendrein bei wesentlich höherem Zuckeranteil. Der proklamierte „Gesundheitsaspekt“ konvertiere bei Actimel daher in pure Fiktion mit Märchencharakter. Der Multi seinerseits bezieht sich auf die „wissenschaftliche“ Grundlage, auf der jede Produktinformation aus dem Hause Danone basiere. Nun ist es allerdings mit der Neutralität einer wissenschaftlichen Institution mitunter nicht allzuweit her, wenn der Auftraggeber einer Analyse und der Geldgeber hierfür identisch sind. Man solle halt nicht an dem Ast sägen, auf dem man sitzt. Dabei steht das Erfolgsprodukt aus dem Hause Danone gar nicht alleine da: die Cremespeise „Natillas“, der Jogurt „Activia“ und weitere Erzeugnisse ähnlicher Art bilden die Gruppe der Produkte, die mit verdächtiger Vermarktungsrhetorik den Verbraucher zu täuschen sucht.

 

Andere „Preisträger“

Auf Danone fallen 47% der abgegebenen Stimmen zur Wahl des Preisträgers für den grössten Werbeschwindel. Allerdings zeigt das Ranking, dass andere Produkte der Lebensmittelproduzenten ganz ähnliche Strategien an den Tag legen, um an unser Geld zu kommen. So geht der 2. Preis an das Milchmixgetränk „La abeja Maja“ (Bauer), dessen Verpackung mit Erdbeeren bedruckt ist, obwohl es keine beinhaltet. Dafür enthält es aber die doppelte Menge an Zucker als eine Coca-Cola, während angegeben wird, dass es lediglich einen Fettgehalt von 1,5% aufweise. Der 3. Preisträger ist das Produkt „Pesto Verde Bertolli (Unilever), dessen Produzenten in klassischem Sinn Etikettenschwindel begehen, indem sie angeben, nach traditionellem italienischem Rezept zu fertigen, aber völlig ohne Olivenöl, Pinienkerne und Parmesankäse auskommen. Weitere Preisträger sind ein Kindersaft von Granini („Frucht Tiger“), der als sehr gesund und vitaminreich angepriesen wird, letztendlich aber in überwiegenden Anteilen aus Farb- und Konservierungsstoffen besteht sowie ein Erzeugnis aus dem Hause Bahlsen, das als Gourmet-Produkt beworben wird, auf dem Etikett aber lediglich durch die Anzahl seiner „E-…-Nummern“ beeindruckt.


Einen Kommentar hinterlassen

Ihre Antwort:

Kategorien