Verfasst von: lapalmacast | 20. Juni 2008

Offene Türen

In gewisser Weise sind offene Türen gemeinhin eine Einladung einzutreten, um zu schauen, zu hören, zu verweilen und Spätheimkehrern den Eintritt zu erleichtern.

Eine freundliche Geste in vertrauter Umgebung.

Auf La Palma daher, eine –bis vor kurzem- altgediente Tradition. Früher, noch vor wenigen Jahren, war es usus, jedwede Tür offen zu halten; sei’s die Haustür oder die Autotür. Grundsätzlich enthob man Türschlössern ihrer Bestimmung und lebte die unverschlossene Gastfreundlichkeit. Ein jeder kannte sich und etwaiger Besuch von ausserhalb wurde kurz vorgestellt und sogleich in den Familienstand aufgenommen. Mit den Jahren jedoch, kamen immer mehr von ausserhalb und der Natur der Sache entsprechend, gab es immer weniger Gelegenheiten, all die neuen Gesichter kennenzulernen und mit dem Siegel der Vertrautheit zu versehen. Der „extranjero“  (Ausländer) blieb fortan „extraño“ (fremd) und die Türen blieben immer häufiger verschlossen.

Mittlerweile sind diese Inseltüren lediglich mit Schlüssel zu öffnen. Die Gastfreundschaft hinter den Türen ist allerdings erhalten geblieben, leider nur heute eben nicht mehr jedem ohne weiteres zugänglich.

In Verbindung mit Institutionen allerdings, ändert sich die Bedeutung des Begriffs der „offenen Türen“ zugunsten eines Interesses von Besuchern, die das Angebot eines freien Zutritts gern in Anspruch nehmen, um sich zu informieren; über neue Produkte oder Dienstleistungen vielleicht, oder aber einfach nur der Neugier Genüge zu tun. Dieser Brauch wird weltweit zelebriert und erfreut sich in der Regel regen Zuspruchs – wenn die Rahmenbedingungen stimmen: Freier Eintritt und kulinarische Gastlichkeit.

Am Sonntag, den 22. Juni ab 12 Uhr, macht die auf La Palma residierende deutschsprachige Bibliothek BILA von dieser Tradition gebrauch und lädt ein, ihre Räumlichkeiten zu besichtigen und den Bibliotheksfundus in Augenschein zu nehmen. Eine Gelegenheit sich der Lektüre zu nähern, mit Gleichgesinnten zu fabulieren und es sich, bei Tapas und bei Sonnenschein, auf der Lesestation neben der Bibliothek, gut gehen zu lassen. Dass bei einem solchen „Tag der offenen Tür“ immer zwei Interessen dahinter stehen – die des Besuchers und die der ausrichtenden Institution – steht für sich selbst.

In diesem Fall möchte die BILA ihr Publikum näher kennenlernen, neues dazugewinnen und auch Werbung in eigener Sache betreiben: Über die Nutzung der Ausleihe hinaus wirbt die Bibliothek für ihre Sprachkurse und ihr Programm „Der Bibliothekar liest“ . Letzteres bietet den Interessierten die Gelegenheit, sich die BILA ins Haus zu holen: Der Bibliothekar verspricht einen bunten Reigen quer durch die Literatur mit Geist und Witz in einem nach grober Absprache zusammengestellten (Vorlese-) Programm. Wer davon einen Eindruck gewinnen möchte, der bleibt an diesem Tag bis zum Nachmittag hinein in BILA Gefilden:

Ab 16 Uhr startet der Bibliothekar Andreas Greve diese Reihe im eigenen Hause und verliest erlesene Textstellen von Thomas Mann über Rainer Moritz bis zu Harald Martenstein. Eine kurze aber sicherlich kurzweilige Veranstaltungsstunde. Nähere Details auf der HOMEPAGE.


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