Wenn man an einem Freitagabend in Santa Cruz Zerstreuung sucht, bieten sich diverse Lokalitäten und Möglichkeiten an, die, je nach Geschmack und Interesse, unterschiedlichster Natur sein können. Nur ein oberflächlicher Blick auf das Nachtleben der Inselhauptstadt vermittelt dem Reisenden den flüchtigen Eindruck, dass der letzte „vino tinto“ auf dem Terassengestühl an der Avenida Marítima möglichst noch vor halb elf getrunken sein soll; denn da würden sich die bekannten Bordsteine samt Füssgängerwege hochklappen. Doch dies ist weit gefehlt! Denn zu diesem Zeitpunkt wird gewöhnlich gerade noch zu Abend gegessen und bestenfalls beratschlagt, wohin es denn zum Wochenendauftakt gehen soll. So wundern sich nicht wenige der unkundigen Stadtbesucher, dass erst ab ca. 0:30 Uhr grosse Gruppenverbände lauthals durch die Fussgängerzone in Richtung der Bars laufen. Eine dieser Bars ist die inselweit bekannte Bar „La Bodeguita del Medio“ in der „Calle Trasera“, gegenüber der Inselregierung. Die Nähe zum „Cabildo“ macht es denn wohl auch, dass hier auch gerade abends schon mal der Inselpräsident zur Gitarre und der Bürgermeister zum Rotweinglas greift. Und eben dafür ist die kleine „La B del M“ bekannt: für sporadische wie private Folkloreeinlagen und gehaltvolle Weine der Insel und des Festlandes; aber vor allem für das Getränk, durch das die Bodeguita del Medio weltweit bekannt wurde: der Mojito. Bekannt daher, weil in der Ursprungsbar diesen Namens in Havanna auf Cuba, die allen Nachfolgern ihren Namen leiht, kein geringerer als Ernest Hemingway seinen Mojito zu trinken pflegte. Seitdem wurde dieser Name tausendfach in alle Länder exportiert. So auch in Santa Cruz de La Palma. Schon kurz nach Mitternacht stehen hier vor der Bar draussen auf der Calle Trasera mehr Leute als in der Bodeguita Sitzplatz finden. Gegen 2 Uhr allerdings, ist theoretisch nur noch hinter (dann) geschlossenen Türen ein gedämpftes Zuprosten möglich. So genau jedoch nimmt niemand diese Sperrstunde.
Im Podcast hören: www.lapalmacast.com
Wenn einem mehr nach kultureller Zerstreuung ist, ist ein Besuch im Teatro Chico in der „Calle Diaz Pimienta“, neben der Markthalle von Santa Cruz, ein inspiriender Auftakt. Schon das kleine Gebäude ist es wert, sich dort einzufinden und den Aufführungen im familiären Rahmen zu lauschen. Das Gebäude war eigentlich ein Oratorium des alten Inselkrankenhauses (seit 1514) , erfüllt aber seit 1866 die kulturellen Bedürfnisse der Stadt- bzw. Inselbewohner. Am Freitag beispielsweise fand auf der kleinen Bühne des Teatro Chico ein Konzert von Ana Laan statt. Der Eintritt kostete 12 Euro und lag damit unter dem Landesdurchschnitt an Eintrittspreisen für kulturelle Veranstaltungen dieser Art.

