Verfasst von: lapalmacast | 26. April 2008

Calima

  Wenn der heisse afrikanische Wüstenwind über die Inseln fegt, wird jede überflüssige Bewegung vermieden und man stöhnt allenfalls auf einer beschatteten Caféterrasse so vor sich hin. Einjeder hält eine 0,5 Liter Wasserflasche in der Hand – statt wie sonst Handy und Zigarettenschachtel. Diese Wetterlage beschert der Insel über Nacht Temperaturen um 35°C und gerade auch nächtens geht die Temperatur kaum merklich runter. Der Spanier spricht dieser Tags auch gern vom „Bruma Seca“, was soviel wie „trockener Nebel“ bedeutet und sehr schön beschreibt, was das gereizte Auge dieser Tage wahrnimmt: Ein trockener Schleier gelbbrauner Färbung, der sich auf alles legt, was nicht abgedeckt oder im Haus ist. Herkunftsort ist hierbei die Sahara-Wüste in Ostafrika. Bei einem starken trockenen Ostwind treibt dieser feine Sandpartikel über die See auf das kanarische Archipel. Die Sicht, sowie manche Stimmung ist dann leicht getrübt, die Niederschlagsneigung und die Mobilitätsbereitschaft bei den Inselbewohnern bei der geringen Feuchte aber sehr gering. Es kann sogar im Flugverkehr zu Problemen kommen. Calimaeinbrüche können mitunter sehr heftig sein, so kann z. B. auf La Palma plötzlich ein starker Sturm einsetzen und die Luftmassen austauschen. Dabei können Calimawetterlagen gern mehrere Wochen andauern; in unserem Fall aber sagen alle, dass schon am Sonntag der Spuk vorrüber sei. „Ya lo veremos“ sagt da der sorglose Palmero und „wird es schon sehen“, wenn es soweit ist.

Übrigens: Der fast schon als Redewendung anerkannte Satz „Ya lo veremos“ ist typisch für Situationen, in denen es a) nicht so darauf ankommt und b) dem Sachverhalt eine gewisse Zeitdauer zuerkannt wird. Mit dem Wörtchen „lo“ wiederum, können wir im Deutschen sowohl „es“ wie auch „das“ Sinnzusammenhänge referenzieren. 


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